[510] Das Zeitwort schef(f)ten hat mehrfache Bedeutungen, nämlich: a) die ganz allgemeine von „sein“ (s. weiter unten im Vokabular: das schef[f]t Lore = das ist nichts u. schef[f]t a Ruch = das ist ein Bauer; vgl. auch dof schef[f]t’s = heil, d. h. eigtl. „es ist [geht] gut“), sodann b) die spezielleren von α) „sitzen“ (niedersitzen) u. β) „kommen“ (vgl. oben: schef[f]t’ her[r]les = komm daher [hierher]) oder „gehen“, bes. in der Verbindg. schiebes schef(f)ten = davongehen (fort-, weggehen), sich entfernen (s. [betr. schiebes] Näh. unter „davongehen“). Auch in dem verw. Quellenkr. lassen sich diese verschiedenen Bedeutgn. verfolgen, wobei in der ältern Zeit die unter a, in der neuern die unter b, β überwiegt. Vgl. Dolm. der Gaunerspr. 94 (scheft = ist); W.-B. des Konst. Hans 254 u. 256 (scheften = sein); Schöll 272 (scheften = sein, aber auch: haben, ferner: sich setzen); Pfulld. J.-W.-B. 345 schefften = gehen); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210, 214]: schee[f]ten = gehen [vgl. scheeft ab, ist abgescheeft], zusammenscheften = zusammenkommen; in Lütz. [215]: schäfte[n] = laufen); vgl. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (scheften = sein; gehen). Über weitere rotw. Belege s. Weber-Günther S. 185 (wo jedoch die ältesten Beispiele [s. Kluge, Rotw. I, S. 218, 248, 251] aus Versehen fortgelassen sind). Ebends. auch Näh. über die Etymologie des Wortes, die nicht ganz sicher und vielleicht für seine verschiedenen Bedeutungen zu sondern ist. So hat es Stumme, S. 14 für die Bedeutg. „sein“ und bes. „sitzen“ auf das hebr. schebet, infinit. construct. von jâschab = „sitzen, verweilen“, zurückgeführt, während bezügl. der anderen Bedeutungen von A.-L. 597 u. Meisinger in d. Z. f. hochd. Mundarten, Jahrg. III (1902), S. 125 (unter Nr. 59) unser Zeitw. „schaffen“ als Quelle betrachtet worden ist.

[511] S. Amtmann u. (betr. Mos) Bauernfrau.

[512] S. Abend.

[513] S. da.

[514] S. abbetteln.

[515] S. abfahren.

[516] S. abgehen.

[517] S. unter „daher“ a. E.

[518] Lore (lore) = nichts, nicht, auch wohl: nein (Spr.) ist sonst m. Wiss. in den Quellen nicht anzutreffen. Wahrscheinlich liegt hier aber nur eine Verunstaltung (wenn nicht gar ein Schreibfehler für Lone (lo[h]ne) vor, das vereinzelt schon im ältern Rotw. (etwa seit d. 18. Jahrh.) in den Bedeutungen „nichts“ (nicht), nein (auch: „niemand“) vorkommt (s. z. B. Körners Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [241 unter „wächeln“: lone = nichts]; Krünitz’ Enzyklopädie 1820 [351: Lohne = niemand, nein]; v. Grolman 43 u. T.-G. 112, 113 u. Karmayer G.-D. 208 [lo[h]ne = nein, nicht, nichts]). Dieses aber ist seinerseits (nach Weber-Günther, S. 156) vermutlich eine Abkürzung der volleren Form lolohne, laulo(h)ne, die in den älteren jüdisch-deutschen Glossaren durch „mit nichten“ u. dergl. wiedergegeben ist (s. z. B. v. Reitzenstein 1764 [247]; vgl. Thiele 273) und auch im Rotw. den Begriff einer bes. starken Verneinung an sich trägt (s. z. B. Kluge, Rotw. 325, 367; vgl. auch 441). Es entspricht dem hebr. lô lânû, d. h. eigtl. „nicht uns“ (s. schon Thiele 272, Anm.**), einer Abwehrformel bei Erwähnung schädlicher Sachen, eines traurigen Ereignisses, also etwa „Gott behüte“ (nach gefl. Mitteilg. von A. Landau). Das einfache lo (loo), lau, law u. a. = nicht (nichts), nein ist im Rotw. öfter anzutreffen (s. Belege bei Weber-Günther, a. a. O.), so namentl. auch in dem schwäb. Quellenkr.; vgl. Dolm. der Gaunerspr. 97 (lau = nein); W.-B. des Konst. Hans 255 (ebenso); Schöll 270 (Form: ebenso, Bedtg.: nichts); Pfulld. J.-W.-B. 342 (lau, lo = nichts); Schwäb. Händlerspr. 484 (lo = nicht); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 ( = nein); merkwürdig die Form lopach = nichts (es ist nichts) in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (während nein dort none heißt). Zur Etymologie von lo, lau (u. s. Nebenbedeutg. „falsch, schlecht“) s. noch A.-L. 565 (unter „Lametaleph“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1020 u. 1261.

[519] S. Bauer.