Herr von Hahnemann sah Seebeck stumm an; dann verbeugte er sich und verließ das Zimmer.
Er ging so schnell er konnte die Straße hinunter, an allen denen vorbei, die ihn wieder erkannten und ansprechen wollten, und stand eine Viertelstunde später in Herrn de la Rouvières Haus.
Der Krüppel bestürmte ihn mit Fragen, aber Herr von Hahnemann schüttelte nur unwillig den Kopf. Er fragte:
»Wissen Sie, daß die Insel befestigt ist?«
Herr de la Rouvière fuhr erstaunt auf:
»Daß sie befestigt ist? Das ist doch unmöglich. Erst vorgestern wurde doch die Befestigung beschlossen.«
Herr von Hahnemann lachte kurz auf:
»Herr Seebeck scheint keine große Achtung vor der Monatsversammlung zu haben. Jedenfalls ist die Insel schon befestigt, und die Versammlung hat etwas zu bauen beschlossen, was faktisch schon da ist. Er wird es wohl schon oft so gemacht haben. Ich will Ihnen etwas sagen«, fuhr er fort, wobei er dicht an den Krüppel herantrat, »ich habe Herrn Seebeck die Enthebung aus seinem Amte mitgeteilt, die er aber ignoriert. Er muß also mit Gewalt entfernt werden. Hier ist kein anderer Ausweg tunlich. Bei den Befestigungen ist es aber ohne Blutvergießen nicht möglich, und das zu verhindern ist meine Pflicht. – Sie haben sich ja Ihres großen Einflusses und Ihrer Verbindungen hier gerühmt; beweisen Sie mir jetzt, daß Sie wahr gesprochen haben. Und dann – die Reichsregierung kann Herrn Nechlidow als früherem, russischem Flüchtling kein Amt übergeben, aber Ihnen, dem Träger eines alten Adelsnamens, der Sie außerdem hier praktisch in die Geschäfte eingearbeitet sind, könnte ich das Reichskommissariat übertragen. Die Vollmacht dazu habe ich. Die Reichsregierung will unter keinen Umständen einen Kommissar von Berlin hierher senden; sie hat mich beauftragt, einer hiesigen geeigneten Persönlichkeit das Kommissariat zu übergeben, um jeden Schein eines gewaltsamen Eingriffes zu vermeiden. Also schaffen Sie mir die Befestigungspläne und Sie sind Reichskommissar!«
Die Augen des Krüppels glänzten:
»Das wird nicht schwer sein, Herr von Hahnemann. Wenn Sie so liebenswürdig sein wollen, eine halbe Stunde hier zu warten, komme ich mit den Plänen.«