»Wissen Sie denn, wo sie sind?«

»Jedenfalls doch im Archiv; und Frau von Zeuthen ist meine gute Freundin.«

»Ah!« Über das Gesicht des Marineoffiziers glitt ein gemeines Lächeln.

»Sie verstehen, Herr von Hahnemann? Eine Frau kann aus Edelmut sterben, aber sie kann sich keinem Skandal aussetzen. Am wenigsten sie, die Keusche, Reine, sie, die Unerreichbare, die ich doch erreichen konnte – wie alles andere auch.«

Der Offizier war wieder ganz ernst geworden:

»Wie Sie das machen, ist Ihre Sache. Aber nicht die Originale selbst, die könnten später vermißt werden, sondern Sie müssen die Pläne kopieren, verstehen Sie? Und Niemand darf etwas davon erfahren, dafür müssen Sie sorgen. Sonst wird die Sache einfach verändert, und wir sitzen da.«

»Keine Sorge, Herr von Hahnemann, bleiben Sie nur ruhig hier; ich bin bald wieder zurück.«

Und die langen Arme schlenkernd und eifrig vor sich hinmurmelnd, stolperte der Krüppel die Hauptstraße hinauf. Bei Frau von Zeuthens Haus angekommen, sagte er dem Dienstmädchen, er käme in Geschäften und wurde natürlich sofort eingelassen.

Mit Siegermiene trat er in Frau von Zeuthens Arbeitszimmer, aber er sank gleichsam in sich zusammen, als er in ihre strahlenden, braunen Augen blickte. Er wollte sich ihr nähern, aber sie hob abweisend die Hand. Da blieb er bescheiden an der Türe stehn.

»Geschäfte, Herr de la Rouvière?« fragte sie ruhig.