»Herrn von Rochow?« fragte Seebeck.
»Rochow? Nein ... Wie kommen Sie auf ihn?«
»Ach, ich bin in den letzten Tagen oft mit ihm zusammen gewesen; er ist ja einer von den Unsrigen.«
»So? Das freut mich wirklich.«
»Er war einer von denen, an die ich von Anfang an dachte, und er kam auch gleich zu mir. – Ja, und gestern sagte er mir, daß wir uns wohl auch bald bei Ihnen treffen würden.«
»Rochow ist immer bei mir willkommen; er kommt vielleicht auch später zum Tee zu mir. Wissen Sie übrigens, daß er seinen Abschied nehmen mußte?«
»Nein, weshalb denn?«
»Ich weiß es nicht genau. Es handelte sich um eine Soldatenmißhandlung, wo Rochow in irgendwelcher inkorrekten Weise zu sehr für den Soldaten gegen den schuldigen Leutnant eingetreten ist. Aber jetzt zum Mittagessen erwarte ich einen jungen Freund, der Ihnen vielleicht große Freude machen wird.«
Es klingelte, und bald darauf stand ein bleicher, junger Mann mit tiefliegenden, rotumränderten Augen in der Tür. Man sah seiner Kleidung an, daß sie mit großer Mühe ordentlich instand gehalten war. Frau von Zeuthen ging auf ihn zu, führte ihn an der Hand zu Seebeck und sagte:
»Da haben Sie meinen Melchior. Seht zu, ob ihr nicht Freunde werden könnt.«