Aber dann, Gabriele, dann sehe ich Menschen wie Silberland, die ohne zu zweifeln, arbeiten und an die Vollendung glauben. Und dann glaube ich auch selbst wieder daran, daß aus der Komödie Wahrheit werde.«
Er setzte sich in den tiefen Ledersessel, stützte das Kinn in die Hand und sah vor sich in den Raum. Frau von Zeuthen stand auf, trat vor ihn hin und legte ihre beiden Hände ihm auf die Schultern:
»Seebeck, ich gab Ihnen meinen Segen zu diesem Werke; ich gebe ihn Ihnen noch einmal zu seiner Vollendung.«
Er sank vor ihr nieder und umschlang mit solcher Heftigkeit ihre Knie, daß die hohe Frau schwankte. Da faßte er ihre Hände und drückte sie an sein Gesicht:
»Gabriele«, sagte er, »ich bin so einsam, so fürchterlich einsam. Und die Nächte sind so lang. Wenn alle die quälenden Gedanken kommen, dann sehne ich mich nach Ihnen, Gabriele, nach dir, du Hohe, Reine. Komm zu mir mit deinen kühlen, weißen Händen. Ich bin so fürchterlich allein.«
Sie hob ihn auf und zog ihn an sich. Er lehnte seinen Kopf an ihre Brust und schluchzte.
Langsam führte sie ihn zum Divan. Aber da sank Seebeck aufs neue vor ihr hin und barg sein Gesicht in ihren Schoß. Der große, starke Mann bebte am ganzen Körper, sie strich ihm lind über das Haar.
»Mut, Mut!« flüsterte sie ihm zu. »Ich kann nicht zu dir kommen; jetzt kann ich nicht zu dir kommen. Du würdest dein Werk vergessen und das darfst du nicht. Diese Insel ist der Inhalt deines Lebens; ihr mußt du leben, wenn es nötig ist, mußt – wirst du für sie zu sterben verstehen. Ihretwegen mußt du das Opfer deines Menschentums bringen.« Sie beugte sich tief zu ihm hinab und legte ihre kühle Wange an seine heiße:
»Glaubst du denn nicht, in wieviel schweren Nächten ich mich nach dir gesehnt habe, du starker, du guter Mann. Aber ich weiß, daß ich dich deinem Werke entziehen würde, statt es zu fördern. Und das darf nicht sein. Was ist das Liebesglück zweier armseliger Menschlein im Vergleich mit deinem Werke! Sei stark,« sagte sie, während sie sich wieder aufrichtete, »dazu will ich dir helfen. Aber deine Einsamkeit ist dein größtes Gut, sie gebar die neue Gemeinschaft, sie wird sie zur Höhe erziehen. Aber du darfst kein armer, schwacher Mensch werden: mehr wie ein Mensch mußt du sein.«
Da erhob Paul Seebeck den Kopf aus Frau von Zeuthens Schoß. Seine Augen wurden groß und starr. Langsam und schwer sprach er die Worte: