»Das geht schon. Allan sagte, das schwerste wären die Säugetiere. Mit den Fischen ist es nicht so schlimm, er will Tang massenhaft aus dem Meere hierherbringen und dann Süßwasserpflanzen hineinstecken. Wenn das alles richtig in Gang gekommen ist, bringt er Insekten und zuletzt die Fische. – Und mit den Vögeln, sagt er, wäre die Sache einfacher: einige Möven brüten ja schon. Man sollte nur an irgend einer Stelle, die so weit von der Stadt weg ist, daß der Gestank nicht hinkommt, regelmäßig tote Fische hinlegen, aber furchtbar viele natürlich, und dann würden die Vögel schon kommen. Aber wie er das mit den Säugetieren machen will, weiß er noch nicht recht; er sagt, es könnten zunächst nur Tiere sein, die von Fischen oder Vögeln leben. – Und bei der ganzen Arbeit soll ich ihm helfen, ist das nicht wundervoll?« rief er.

Hedwig sah voll Neid ihren Bruder an. Aber dann veränderte sich ihr Gesicht. Fast furchtsam fragte sie:

»Du Felix, sag mal, glaubst du, daß alles noch gut geht?«

»Weshalb soll es denn nicht gut gehen?«

»Ja, siehst du, ich ging neulich etwas mit Herrn de la Rouvière spazieren, und da kam Nechlidow, und die beiden sprachen zusammen. Nechlidow war ganz wütend und sagte immer wieder, daß Paul alles zerstört hätte. Dann sagte er auch etwas zu mir, was ich nicht verstand –«

»Nechlidow ist ein Idiot!« unterbrach sie Felix mit Nachdruck. »Allan sagt, daß gerade jetzt alles gut gehen wird, seitdem Paul eingesehen hat, daß er alles allein machen muß und nicht mehr darauf hört, was alle die da sagen.«

Aus irgend einem Grunde war es Hedwig peinlich, dies Gespräch fortzusetzen. Sie sagte, während sie ihrem Pferdchen den dicken Hals streichelte:

»Sollen wir nicht jetzt zum Wasserfall reiten? Er ist sicher wunderschön.«

Dagegen hatte Felix nichts einzuwenden, und so bestiegen sie ihre Pferde und ritten dem Staubecken entlang auf das Meer zu. Bald schob sich ein breiter Steinwall zwischen sie und das Becken und warf einen tiefen und kühlen Schatten auf sie. Sie trieben ihre Pferde zum Galopp an und standen plötzlich einige Schritte vor dem steilen Abfall zum Meere. Sie hörten ein Donnern, Zischen und Brausen, konnten den Wasserfall aber nicht sehen. Rasch entschlossen sprangen sie von den Pferden, ließen sie stehen und kletterten an dem Steinwalle empor. Er war höher, als sie sich ihn vorgestellt hatten, aber endlich standen sie doch oben. Sie sahen sich um: hinter ihnen streckten sich die drei Vorgebirge ins Meer, zwischen denen die Stadt und die Irenenbucht eingebettet lagen, und vor ihnen das große Wasserbecken, das in seiner ganzen Breitseite zum Meere hinab überfloß. Sie sahen die Wasserfläche in ruhigem Zuge bis zum Rande gleiten und dort entsetzt, verzweifelt, mit wahnsinnigem Schmerzgeheul in die Tiefe stürzen, hier auf einem Vorsprung aufprallend, dort an einer Klippe zerschellend, daß der Riese in tausend und abertausend glitzernde Tropfen zersprang, die erschrocken versuchten, sich wieder zusammenzufinden, und sich doch erst wieder im großen Meere trafen, das weit hinaus mit weißem Schaum bedeckt war.

Als sie sich satt gesehen hatten, traten sie langsam den Rückweg zu ihren Pferden an und ritten in scharfem Galopp im Schatten. Erst als der Steinwall sich wieder abflachte, und sie in den brennenden Sonnenschein hinauskamen, mäßigten sie ihr Tempo. Sie kamen an die Stelle, wo durch die große unterirdische Röhre das Wasser zur Stadt abfloß; dumpf dröhnte es da unter den Hufen der Pferde. Sie ritten weiter am Becken entlang bis dorthin, wo der Fluß hereintrat und folgten diesem weiter in der Richtung auf den Vulkan zu. Oft mußten sie den Fluß verlassen, weil Steinblöcke im Wege lagen, aber sie trafen doch immer wieder auf ihn. Zuweilen floß er breit und behäbig dahin, zuweilen rauschte er unheimlich an einer schmalen Stelle, oder teilte sich auch mitunter in viele Zweige, die sich aber immer wieder bald vereinigten. Hedwig und Felix kamen über breite Streifen feinen Sandes, in dem die Pferde bis über die Hufe einsanken.