Die Spitze des Vulkans war zurückgetreten und zuletzt ganz hinter einer hohen Felswand versunken. Und hier hielten die beiden an, um im Schutze der Felswand die Nacht zu verbringen. Sie nahmen das Gepäck von den Pferden, gaben ihnen den letzten Rest des mitgebrachten Heus zu fressen, nahmen ihnen dann das Zaumzeug ab und banden es an den Sätteln fest. Die klugen Tierchen blieben erst schnuppernd stehen, gingen einige Schritte heimwärts und wandten dann wieder die Köpfe nach Felix zurück. Da dieser aber keine Miene machte, sie zurückzuhalten, setzten sie sich in langsamen Trott und waren bald hinter den Felsen verschwunden.

Während Fräulein Erhardt und Felix fast schweigend ihr Abendessen einnahmen, wurden die Schatten unheimlich lang und kalt, krochen an den Felswänden empor, hier und da leuchtete noch eine Spitze, ein Vorsprung –

Wenige Minuten später war es dunkel, und sofort legte sich ein schwerer Tau auf Gesicht und Kleider.

Felix zündete eine kleine Lampe an und ordnete in ihrem schwachen Lichtscheine die mitgebrachten Sachen. Er rollte die Schlafsäcke auf und stellte die Konserven in eine kleine Spalte, die er – um sie vor den Sonnenstrahlen zu schützen – noch mit einem flachen Steine zudeckte. Dann kroch er in seinen Schlafsack, gähnte, wünschte Fräulein Erhardt eine gute Nacht und schlief fest ein. Fräulein Erhardt aber blieb noch lange auf ihrem Steinblock sitzen; zuweilen bewegte sie fröstelnd die Schultern. Zuletzt ging sie vorsichtig zu Felix, kniete neben den Schläfer hin, beugte ihr bleiches Gesicht über ihn und küßte ihn leise auf die Stirn. Felix rührte sich nicht. Da ging Fräulein Erhardt gesenkten Hauptes zurück und legte sich endlich zur Ruhe.

Als sie am Morgen aufwachte, war Felix fort. Sie sprang schnell auf und brachte ihre zerdrückten Kleider, so gut es sich machen ließ, in Ordnung. Felix kam erst nach einer Stunde. Er war beim Flusse gewesen und hatte Wasser geholt. Er setzte das Wasser über den Spirituskocher und sagte:

»Wissen Sie, was ich herausgefunden habe, Fräulein Erhardt? Wir sind vom Wege ein tüchtiges Stück nach links abgekommen. Die Spalten, von denen Paul mir erzählt hat, habe ich sehn können, wie ich zum Fluß ging. Hier ist sicher überhaupt noch nie ein Mensch gewesen. Am liebsten möchte ich die Spalten in Frieden lassen und noch weiter nach links, also nach Süden, gehn.«

Er stürzte in großer Hast seinen Tee hinunter und ging dann zum nächsten Hügel, wo er eine mächtige Steinpyramide errichtete.

»So, jetzt können wir unsere Sachen immer wieder finden«, sagte er. »Sind Sie fertig?«

Fräulein Erhardt war fertig und bereit, ihm zu folgen.

Sie gingen an der Felswand entlang und kamen nach einer halben Stunde an eine Geröllhalde. Hier stiegen sie höher hinauf, bis sie an einen Absatz kamen, von dem aus sie Umschau halten wollten. Aber sie konnten nicht weit sehen; hätten sie nicht gewußt, daß sie sich am Abhange des Vulkans befanden, der sich hoch über die Ebene reckte – hier hätten sie es nicht feststellen können, denn an allen Seiten sahen sie nur ein Gewirr von Felsen und Schutthügeln, das jede Aussicht versperrte. Nur an einem einzigen Punkte, gerade zwischen zwei Basaltfelsen, konnten sie die Ebene und sogar ein Streifchen des hellschimmernden Meeres sehn.