»Ja, aber ich habe kein Pferd.«

»Das tut nichts, Sie können das von Hedwig nehmen. – Ja, und dann müssen wir sehen, was wir da oben finden. Natürlich müssen wir auch auf den Vulkan steigen.«

»Ich werde Herrn Seebeck bitten, mir jetzt meinen Urlaub zu geben«, sagte Fräulein Erhardt. »Ich freue mich sehr auf die Reise, Herr von Zeuthen.«

Felix verbeugte sich etwas ungeschickt und ging.

Schon in den nächsten Tagen nahm die Hitze ab; kühle Winde strichen über die Insel und führten leichte, graue Wolkenzüge mit; ja, gelegentlich fielen sogar einige Regentropfen. Jetzt, zwischen Sommerhitze und Regenperiode, war die geeignete Zeit für einen längeren Ausflug gekommen.

Am Tage vor ihrem Aufbruch hatte sich Paul Seebeck mehrere Stunden von seiner Arbeit frei gemacht und half den beiden bei ihren Vorbereitungen. Er sorgte dafür, daß sie Proviant für vierzehn Tage, und auch sonst alles Notwendige, doch nichts Überflüssiges mit hatten. Was die Pferde anging, riet Seebeck, sie nach der Ankunft einfach loszulassen; sie würden dann ohne weiteres nach Hause laufen. Felix und Fräulein Erhardt müßten dann allerdings zu Fuß heimkehren. Auf dem Hinwege brauchten sie aber unbedingt die Pferde, des Transportes ihrer Sachen wegen.

Noch vor der Morgendämmerung brachen sie auf, und gerade, als sie das Volkshaus erreichten, hob sich die Sonne über den Horizont. Der Nachttau verschwand bald von den Steinen, aber trotz des wolkenlosen Himmels wurde es nicht heiß. Die Spitze des Vulkans lag vollkommen frei von Wolken und Schleiern vor ihnen.

Sie ritten in langsamem Trabe an dem Staubecken vorbei und kamen auch zu der Stelle, wo sich Felix und Hedwig damals zur Umkehr entschlossen hatten. Erst zur Mittagsstunde stiegen sie von den Pferden. Felix öffnete einige Konservenbüchsen und bot Fräulein Erhardt vom Inhalte an. Als sie gegessen hatten, warf er sich auf den Boden, zog eine seiner Kartenskizzen hervor und bemühte sich, sich über ihren gegenwärtigen Standort zu orientieren. Fräulein Erhardt saß inzwischen auf einem Stein und schaute abwechselnd auf ihren Reisegenossen und auf die starre Steinwüste. Nach zweistündiger Rast brachen sie wieder auf. Sie hielten streng die Richtung auf den Vulkan ein, mußten aber immer größere Umwege machen, um tiefe Spalten im Boden zu umreiten. Das Gelände wurde auch immer welliger, und gleichzeitig trat mehr und mehr Geröll und Grus auf. Das Geräusch vom Flusse her war vollkommen verstummt, aber immer höher und breiter reckte sich der Vulkan. Aus dem regelmäßigen Kegel lösten sich immer größere Vorsprünge heraus, und tiefe Einschnitte zeigten sich an seinen Wänden.

Auch das ganze Bild der Gegend hatte sich verändert. Es gab keine Ebene mehr, aus der sich plötzlich scharf umgrenzt der Vulkan erhob. Ebene und Vulkan kamen einander entgegen, verwischten in ihrer zunehmenden Zerklüftung ihre Gegensätze und verschmolzen zuletzt zu einem wilden Körper.

Fräulein Erhardt und Felix ritten an hohen Felsblöcken vorbei, mußten oft im Zickzackwege an steilen Geröllhalden hinab- und hinaufreiten. Das Traben war unmöglich geworden, und im mühsamen Schreiten wiegten die kleinen, starken Pferdchen rhythmisch die Köpfe.