Ob es ihm nicht leid täte, die Unberührtheit der Natur zu zerstören? Oh, Allan würde es so machen, daß es eine Verschönerung, eine Funktion der Natur würde, eine natürliche Fortentwicklung, wie das Wachsen des Mooses auf den Felsen.
»Allan und immer wieder Allan!« dachte Fräulein Erhardt und sah zu Boden. »Hat er denn keinen Gedanken mehr für andere Menschen übrig?«
»Was machen wir jetzt?« sagte Felix. »Auf die Spitze können wir nicht mehr kommen. Es ist ja schon vier Uhr. Wir können noch gerade vor der Dunkelheit unten sein. Dann haben wir aber morgen wieder dieselbe Geschichte. Ich glaube, es wäre am vernünftigsten, einfach hier zu übernachten. Ich habe noch drei große Konservenbüchsen mit Fleisch und eine ganze Masse Schokolade in meinem Rucksack. Damit können wir, wenn wir etwas sparen, gut noch zwei Tage auskommen.
Sobald wir dann wieder unten sind, können wir uns wieder satt essen. Was meinen Sie dazu?«
Fräulein Erhardt sah sich um und suchte sich vorzustellen, wie man hier auf den nackten Steinen schlafen sollte.
»Ja«, sagte sie etwas zögernd.
»Gut, dann steigen wir jetzt noch so hoch wir können. Vielleicht können wir dann schon morgen Abend wieder unten sein.«
Sie stiegen noch zwei Stunden. Der Weg bot keine besonderen Schwierigkeiten mehr, so daß sie im Gehen wirklich die immer großartiger werdende Aussicht genießen konnten.
Als sich die Sonne dem Horizonte näherte, sahen sie, daß sie nur noch wenige Stunden bis zum Gipfel brauchen würden. Eine kleine Terrasse mit Lehmboden und einem kleinen Wässerchen wählten sie als Schlafplatz. Felix knöpfte seine Jacke zu, steckte die Hände in die Hosentaschen, wünschte Fräulein Erhardt eine gute Nacht und schloß die Augen. Sie sah ihn mit ihren großen Augen an, sah im rasch fortschreitenden Dunkel seine Knabengestalt undeutlicher und undeutlicher werden. Sie fröstelte, sie zitterte; Angst und Sehnsucht überfielen sie. Mit einem Aufschrei warf sie sich auf den Schläfer und küßte ihm Augen und Mund.
Felix erwachte wieder, machte eine Bewegung, wie um sie abzuschütteln und zog sie dann tief aufatmend an sich.