Dr. Jakob Silberland hatte Otto Meyer aufgesucht, mit dem er ein Gesetzbuch für die Gemeinschaft auf der Schildkröteninsel entwarf, und jetzt standen sie von ihrer Arbeit auf. Der Nationalökonom reckte sich und sagte:
»Sie sind eigentlich der Einzige hier, der eine wirklich gemütliche Wohnung hat; Ihre wunderschönen, orientalischen Teppiche und die dunklen Möbel –«
»Na, wissen Sie was, Doktor. Die schöne Frau wohnt doch noch ganz anders.«
Jakob Silberland zuckte die Achseln:
»Weiß nicht. Sie hat ja alles sehr nett und sehr geschmackvoll eingerichtet, aber ich kann bei ihr nun mal nicht warm werden. Ich glaube, sie hat zu viel Luft in ihren Zimmern.«
Der lange, blonde, jüdische Referendar lachte:
»Ja, da haben Sie wieder mal recht; nichts auf der Welt macht eine Wohnung so gemütlich, wie Staub und alter Tabaksrauch – ein Lehrsatz, den man übrigens auch gut und gern auf die große Welt übertragen kann. Finden Sie es vielleicht hier in unserem reinlichen und korrekten Staat gemütlich? Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich mich zuweilen nach den ehrwürdigen, europäischen Spinngeweben sehne.«
Jakob Silberland war ernst geworden; er dachte einen Augenblick nach, dann sagte er eifrig:
»Sie können nicht so die Parallele zwischen Zimmer und Welt ziehen. Was im Zimmer erlaubt ist, kann draußen ein Verbrechen sein. Im Gegenteil fürchte ich, daß wir schon einige Spinnen hier haben, und wir müssen für einen kräftigen Besen sorgen, um die Gewebe wegzufegen.«
Otto Meyer klopfte ihm auf die Schulter: