Mit dem Wachtmeister der Batterie über den am ersten Tage zu nehmenden Weg beratschlagend

Wir ritten heute nur eine mäßige Strecke, da die Tiere zu wenig einmarschiert sind, im übrigen gingen diese recht gut. In Yangliu-tsing, dem alten Boxernest, kamen wir leidlich unter. Am Abend hatte uns der Wirt, da es empfindlich kalt war, eines von den mit glühenden Holzkohlen gefüllten Kohlenbecken ins Zimmer gestellt. In der Nacht wachte ich mit entsetzlichem Herzklopfen auf und sah, wie Graf Seyboltstorff, der sich vom Kang erhoben hatte, mehrfach hinfiel, erst jetzt wurde mir klar, in welch schwerer Lebensgefahr wir beide geschwebt hatten, wir wären um ein Haar an den Kohlenoxydgasen erstickt. Gott sei Dank war ich noch rechtzeitig erwacht, um die Türen aufzumachen und so nicht von demselben Schicksal ereilt zu werden, wie einst der unglückliche Graf York. Den ganzen nächsten Tag litten wir noch unter den entsetzlichsten Kopfschmerzen.

Die Witwe Bolte, gepackt

Nepomuk erwies sich als ein ganz gefährlicher Beißer; gleich beim Satteln morgens riß er einem unglücklichen Chinesen ein großes Stück Fleisch aus dem Arm heraus; die Stute bewährte sich sehr gut. Wir waren gegen 8 Uhr abmarschiert, und schon nach einer Stunde befanden wir uns in einem starken Staubsturm aus Norden. Da der Sturm immer stärker wurde, versuchten wir in einem der am Wege liegenden Dörfer unterzukommen und fanden schließlich für Mann und Pferd in dem Nebengebäude eines Dorftempels Unterkunft. Die Leute waren sehr freundlich und brachten alles, was wir wünschten. Wir delektierten uns an einer von einem Kameraden von den Pionieren geschenkten sehr schönen Wurst. Das Unwetter wurde gegen Abend ganz toll, so daß wir schließlich im Sand halb erstickten. Trotzdem schliefen wir ganz gut und sogar ohne Ungeziefer.

Am 6. Januar morgens, bei herrlichstem Wetter und 16 Grad Kälte, ging es weiter. Ich sagte dem Grafen Lebewohl; der Abschied von meinem besten Freunde fiel mir recht schwer, aber wir hofften auf ein vergnügtes Wiedersehen in Deutschland. Während er nach Tientsin zurückritt, marschierte ich nach Südwesten weiter. Mein dicker Schorsch hatte über Nacht einen schweren Hieb rechts hinten gegen das Schienbein bekommen und lahmte leider; trotzdem trabte ich weiter, immer nach dem Ta-dau (großer Weg) fragend, jedesmal ein verständnisvolles "ang-ang" (ja, ja) zur Antwort erhaltend; also das Geschäft mußte richtig sein.

Daß ich mich aber auf dem großen Wege nach Pautingfu und nicht nach Ho-kien-fu, wo ich eigentlich hin wollte, befand, ahnte ich in meiner Unschuld nicht. Bei Wegteilungen drängte ich stets nach Südwesten, wurde aber immer wieder mit einer lächerlichen Beharrlichkeit auf den alten Weg zurückgewiesen. Schließlich waren wir vor einer Stadt, die sich auf Befragen zu meinem nicht geringen Ärger als Wönn An herausstellte. Daß mir, als altem erfahrenen "Chinakenner", so etwas zustoßen mußte, war eigentlich ein Skandal. Nachdem ich meinen Ärger an dem armen Mafu, der gar nichts dafür konnte, genügend ausgelassen hatte, ging die Reise weiter, nunmehr auf Jönn kiu zu.

Leutnant v. Salzmann, Oberleutnant Graf Seyboltsstorff