„Der Christ schleppt seine Toten weit von seinem Hause fort. Wir Indianer, die eine größere Liebe für sie hegen, bewahren sie in unseren Häusern.“ So ungefähr sprach Vocapoy einmal zu mir, als das Gespräch auf diese eigentümliche Begräbnisart kam.

Wird ein Chiriguano von einem Jaguar getötet, so wird er mit dem Kopf nach unten begraben, damit er nicht als ein solches Tier umgeht. Diese Vorstellung vom Jaguar, der ein Mensch war, ist besonders unter den Quichuas verbreitet, wo dieses merkwürdige Tier, wie schon erwähnt, Uturunco genannt wird (vgl. [S. 12]). Heult der Fuchs des Nachts nahe dem Dorfe, so stirbt jemand.

Abb. 113. Chiriguanograb. Caipipendi.

Stirbt der Mann, so soll die Frau das Haar kurz schneiden. Hat sie ihn sehr geliebt, tut sie es zweimal. Erst wenn das Haar wieder lang gewachsen ist, darf sie eine neue Ehe eingehen. Stirbt ihr Vater oder ihre Mutter, so schneidet sie das Haar kurz, stirbt ihr Kind, ihr Bruder oder Schwager, so schneidet sie es halblang. Unter langen Haaren versteht man, daß sie bis zur Schulter reichen. Meine Frage, ob auch die Männer bei Trauer ihr Haar schneiden, wurde mit einem Gelächter beantwortet. Sie begnügen sich damit, eins der allerlängsten zu verkürzen. Die Männer dürfen sich erst ungefähr ein Jahr nach dem Tode der Frau wiederverheiraten.

Hat die Frau Trauer, so trägt sie keinen Schmuck. Als ich bei Maringay war, hatte seine Schwiegertochter ihr kleines Kind verloren. Während alle anderen Frauen im Dorfe zahlreiche Halsketten trugen, hatte sie keinen einzigen Schmuckgegenstand. Sie nahm auch an keinem Feste teil.

Die Indianer, welche die Missionare taufen, sehen es nicht immer gern, daß sie ihre Toten auf dem Kirchhof begraben müssen. Sie wollen wenigstens, daß die Toten Wasser mit ins Grab bekommen.

Man befreit sich nicht so leicht von alten, ererbten Vorstellungen, um sie gegen neue einzutauschen.

Tafel 18. Chanéfrau mit Kind. Rio Itiyuro