Im vorhergehenden habe ich erzählt, daß die Weißen in der Gegend von Ivu einen indianischen Medizinmann zum Vertreiben der Pocken kommen ließen. Es kommt auch vor, daß sie glauben, von den Indianern verhext zu sein. Ein Kolonist, Gutierrez, hatte einen Indianer durchgepeitscht. Dieser verhexte ihn so, daß er krank wurde. Es klang in seinem Magen wie das Quaken eines Frosches.

Durch Räuchern suchen die Medizinmänner den Verhexer ausfindig zu machen. Wie es dabei zugeht, habe ich nicht gesehen. Der Verhexer wird, wenn er oder sie entdeckt wird, getötet.

Hier unten werde ich über die Verbindung der Medizinmänner mit den großen Geistern sprechen.

Im Auftreten und in der Methode der Medizinmänner scheint bei den Chorotis und Ashluslays und bei den Chanés und Chiriguanos kein Unterschied zu herrschen. Es ist dasselbe Aussaugen fremder, durch Verhexen in den Körper gelangter Gegenstände. Bei den letzteren sind die Medizinmänner geheimnisvoller, als bei den ersteren. Vielleicht hat die Berührung mit den Weißen bewirkt, daß sie selbst an ihrer Kunst zu zweifeln beginnen.

Ein Unterschied herrscht indessen in den gewöhnlichen Heilmitteln. Die erstgenannten Indianerstämme entnehmen ihre Heilmittel in der Regel dem Pflanzenreich. Man kocht Dekokte von gewissen Gewächsen. Die Chanés und Chiriguanos wenden dagegen, außer gewissen Pflanzen, animale Heilmittel an. So benutzen die Chanés am Rio Itiyuro das Fett vom Reiher für Geschwülste, das Wildschweinfett für das Fieber, das Jaguarfett für Knochenschmerzen und Tukanschnäbel für Frauenblutungen. Die Chanés am Rio Parapiti wendeten das Fett des Straußes gegen Brustschmerzen, der Iguanaeidechse gegen Conjunctivitis, des Huhnes gegen alles, das Maisbier gegen Erkältung an. Das Fett habe ich ausschließlich für den äußeren Gebrauch anwenden sehen.

Merkwürdig ist der Chanéindianer als Aseptiker. Ich habe mehrmals gesehen, wie sie Wunden nach einer höchst modernen Methode behandeln, nämlich mit gekochtem Wasser. Das ist etwas anderes, als wenn die Weißen Schweineexkremente und frischen Urin vom Menschen mit Salz zu demselben Zwecke anwenden. Die Ursache, daß diese Indianer eine so moderne Methode kennen, ist sicher ihre große Reinlichkeit. Sie sind daran gewöhnt, sich beständig zu waschen. Daß sie auf die Idee gekommen sind, das Wasser zu kochen, kommt wahrscheinlich daher, daß sie makroskopische Tiere in demselben haben töten wollen. Zum Verbinden von Wunden wenden die Chanés zuweilen frische Blätter an.

Sollte trotz der Anstrengungen des Medizinmannes die Verhexung nicht gehoben werden können und der Chané- oder Chiriguanoindianer sterben, so wird er oder sie in einem großen Tongefäß unter der Hütte begraben. Bevor der Sterbende richtig tot ist oder gleich nach dem Tode, wird er so zusammengefaltet, daß die Knie unter das Kinn kommen, und die Arme werden kreuzweise über die Brust gelegt. Am Rio Parapiti hat jahrelang ein Chanéindianer gelebt, der auf diese Weise zusammengefaltet worden war, der aber, bevor er in die Graburne gestopft worden war, von einem weißen Manne gerettet wurde. Der Tote wird angekleidet, mit einer Wasserkalebasse im Knie, in das Gefäß gesetzt. Das Wasser soll der Tote mithaben, wenn er auf den Bergen umhergeht, sagte mir der Chanéhäuptling Vocapoy. Das Gefäß wird in der Hütte vergraben und als Deckel ein anderes Gefäß darübergestülpt.

Bei Tatarenda in der Nähe von Yacuiba verbrennt man, wie ich gehört habe, nach dem Begräbnis die Hütte. Dies ist jedoch nicht das Gewöhnliche. Dagegen pflegt man die Hütte einige Zeit nach dem Begräbnis zu verlassen, um später wieder hinzuziehen. So geschah es z. B. in einem Chanédorf am Rio Itiyuro, in welcher ich kurz nach dem Begräbnisse war.

Die großen Maisbiergefäße ([Abb. 113]) werden als Sarg angewendet. Herrscht Mangel an Gefäßen, so begräbt man oft auf andere Weise. In einem Chanédorf, Copéri, am Rio Parapiti, begrub man kurz vor meiner Ankunft ein Kind in einer Haut unter der Hütte.

Auf den Gräbern ihrer toten Verwandten verleben diese Indianer ihr Leben, und oft ist es so voll in der Hütte, daß ein Nachbegräbnis in alten Töpfen notwendig wird.