Die Ehen der Chiriguanos schildert dieser Jesuitenpater indessen als sehr locker.
Mit der Ehe beginnt für diese Indianer das Leben im Ernst. Es besteht aus Arbeit und Maisbiertrinken. Die Arbeit habe ich schon ein wenig beschrieben, ihre Trinkgelage werde ich weiterhin schildern.
Abb. 112. Alte Frau. Rio Itiyuro.
Ihre Enkel waren ungefähr 18 Jahre und jünger.
Das Leben des Indianers und der Indianerin schwindet schneller als das der Weißen. Das Alter eines Indianers ist, wenn man keine bestimmte Zahl hat, an die man sich halten kann, sehr schwer bestimmbar. Maringay erzählte mir, er sei der Älteste seines Stammes, es lebe kein Altersgenosse von ihm mehr. Die Weißen sagten, Maringay sei über 100 Jahr alt. Dies ist jedoch übertrieben. Als jungverheirateter, 16–20jähriger Jüngling, besuchte Maringay den Präsidenten Belzu in Sucre. Dieser regierte zwischen 1848–1855, der hundertjährige Maringay ist also offenbar nicht älter, als ungefähr 80 Jahre. Ein 80jähriger Indianer ist also der Älteste seines Stammes. Bei den Indianern sieht man beinahe immer, daß derjenige, der erwachsene Enkelkinder hat, sehr gebrechlich und greisenhaft ist und am Rande des Grabes steht. Die Indianer und Indianerinnen entwickeln sich schnell, altern aber auch schnell. Mit 50 Jahren ist der Indianer ein Greis, mit 70 ein sog. Hundertjähriger. Im Thurn[81] meint ebenfalls, daß die Indianer nicht alt werden. Er glaubt, daß sie selten ein höheres Alter als 40–50 Jahre erreichen.
Maringays Haare waren leicht ergraut. Es gibt beinahe weißgelbhaarige Indianer und Indianerinnen, aber sie sind selten ([Abb. 112]). Einen kahlköpfigen Indianer habe ich niemals gesehen. Wenn sie älter sind, ist das Gesicht stark gefurcht. Nicht selten werden sie im Alter blind, aber weniger oft taub.
Bei den Chorotis und Ashluslays ist der Anblick der Alten oft abschreckend, sie sind schmutzig, abgemergelt und triefäugig. Dies ist bei den Chanés und Chiriguanos nicht der Fall. Diese Indianer verstehen es, in Schönheit zu altern, und auch die Alten halten sich rein und fein.
Erkrankt der Chané- oder Chiriguanoindianer schwer, so läßt man, wie bei anderen Indianern, den Medizinmann kommen.
Die Chiriguanos und Chanés unterscheiden zwischen zwei Arten von Medizinmännern, die sie „ipáye“ oder „ipáyepótchi“ nennen. Die ersteren sind gut und heben die Verhexungen, die letzteren können die Verhexung heben und verhexen.
Im Scherz fragte ich einmal einen Chiriguano, ob Vater Bernardino in Ivu ein „ipáye“ oder ein „ipáyepótchi“ sei. Artig antwortete der Indianer, ein „ipáye“. Die Stellung des Missionars unter den Indianern ist die des Medizinmannes, er übernimmt ihre Macht und ihren Einfluß.