Ein Mädchen wollte sich mit einem Mann verheiraten, aber er starb. Sie hatte ihn sehr gern gehabt. Am Morgen, am Tage nach seinem Tode, während es noch finster war, stand sie vor dem Hause ihrer Eltern und stieß in den Mörser. Da kam jemand und erfaßte den Mörserstab.

„Wer bist du?“ fragte sie.

„Ich bin es,“ sagte er. Es war ihr toter Mann. „Willst du mitkommen?“

„Ja“, sagte sie, da sie ihn sehr liebte.

Er begab sich nun fort in der Richtung, wo die Sonne aufgeht. Sein Gesicht war verhüllt, damit niemand es sähe. Sie ging hinter ihm her. Sie gingen durch den Wald, sie gingen über die Pampas und wieder durch den Wald. Am Tage schlief er und des Nachts war er wach.

Als der Vater seine Tochter vermißte, ging er, um sie zu suchen. Er folgte ihren Spuren. Vor diesen ging eine Fuchsspur. „Aña hat meine Tochter genommen“, sagte der Vater. Zuletzt fand er sie tot am Wege. Er machte sie jedoch wieder lebendig und brachte sie nach Hause. Als sie über die Pampas gingen, sahen sie einen Fuchs umherstreifen. Am folgenden Tage starb sie. Der Vater weinte. Da kam der weiße Kondor „Ururuti“ und sagte, er solle nicht klagen. Ururuti nahm ihn auf den Rücken und flog mit ihm nach Aguararenta.

In Aguararenta schlief man am Tage und war wach des Nachts. Als der Vater dorthin kam, trank man Maisbier. Ururuti brachte ihn nach dem Hause seines Schwiegersohnes. Er redete seine Tochter an, sie antwortete ihm aber nicht. Sie sah nicht wie ein Mensch aus. Wieder redete er sie an, er bekam aber keine Antwort. Er ging nun zu Ururuti, der ihn nach Hause brachte. Weder er noch seine Frau beweinten die tote Tochter.

Am folgenden Tage starb der Vater.

Version 2. Erzählt von Batirayu. Es war eine Frau, deren Mann gestorben war. In der Nacht kam er zu ihr in der Gestalt eines Mannes und schlief bei ihr. Er bat sie, mit ihm nach seinem Dorfe Aguararenta zu kommen. Sie folgte ihm. Als sie unweit des Dorfes kamen, hörten sie Gesang und Tanz. Sie ging mit ihrem Mann nach dem Marktplatz, wo ein großes Trinkgelage stattfand. Sie sah dort viele Tote, die sie kannte. Die Toten hatten jedoch Angst vor ihr und hielten sich fern von ihr. Sie blieb dort, bis es Morgen wurde. Da verschwanden alle Hütten, und sie befand sich auf einer Ebene voller Fuchsspuren. Ihr Mann verwandelte sich in eine Ratte (angúya). Sie blieb dort den ganzen Tag, auf dem Stamm einer Algarrobo sitzend. Als es finster wurde, kamen die Menschen wieder und es fand dort ein großes Trinkgelage statt. Am Morgen sagten die Toten: „chéahata húirasécuera (ich gehe als Baumstamm), chéahata augúyara (ich gehe als Ratte), chéahata kárakárara (ich gehe als Geier), chéahata águarára (ich gehe als Fuchs), chéahata ándirára (ich gehe als Fledermaus)“ usw. Sie kehrte nach Hause zurück. Ihr Mann sagte, er werde kommen, um sie zu holen. Nach drei Tagen war sie tot. Sie war ihrem Mann nach Aguararenta gefolgt.

Der Chiriguanohäuptling Maringay erzählte mir von einem Mann, der am Wege eingeschlafen war. In der Nacht kam seine tote Frau zu ihm, und er schlief bei ihr. Als er erwachte, war sie verschwunden. Er nahm das im Schlaf Erlebte als Wirklichkeit an. Bei den Chanés und Chiriguanos ist der Glaube an ein jenseitiges Leben, wie bei anderen Indianern, auf Träume gegründet. Sie treffen im Traume einen Toten, sie besuchen im Traume das Totenreich. Es ist indessen unrichtig zu sagen, daß die Indianer an ein Leben im Jenseits glauben. Er weiß, daß es ein solches gibt, denn Lebende haben die Toten gesehen, haben mit ihnen der Liebe gepflogen, haben Maisbier mit ihnen getrunken, haben sie sich in Füchse, Ratten, Baumstämme usw. verwandeln sehen.