[12] Dieser Brauch scheint mir eine gewisse Ähnlichkeit mit den von älteren Verfassern beschriebenen Begrüßungszeremonien zu haben. Vgl. Friederici: Der Tränengruß der Indianer. Globus Bd. LXXXIX. Nr. 2.
[13] Herrmann: Die ethnographischen Ergebnisse der deutschen Pilcomayo-Expedition. Zeitschr. für Ethn. 1908.
[14] Eric von Rosen: The Chorotes Indians in the Bolivian Chaco. Stockholm 1904.
[15] R. Lehmann-Nitsche: Estudios Antropológicos sobre los Chiriguanos, Chorotes, Matacos y Tobas. Anales del Museo de la Plata. Tomo I. Buenos Aires 1908.
Drittes Kapitel.
Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung).
Gemeinwesen.
Wir sind alle Brüder, sagte einmal ein Chorotiindianer zu mir. Im großen gesehen bilden auch die Chorotis und Ashluslays zwei Familien. Sie wohnen in einer bedeutenden Anzahl Dörfer von wechselnder Größe verteilt. Es gibt dort Dörfer mit ganz wenig Familien und Dörfer, wie das des Ashluslayhäuptlings Mayentén, das etwa 1000 Bewohner hatte. Die Dörfer, oder richtiger die Stellen, wo die Dörfer angelegt sind, haben Namen. So hieß ein Chorotidorf vuátsina = Erdratte, ein anderes hópla = Grasblume, ein drittes tónoclel = alte Pfütze, ein viertes asnatelémi = weiße Erde usw.
Die Chorotis und Ashluslays sind nicht vollständig seßhaft. Sie ziehen beständig, wenn auch nicht weit. Als ich z. B. 1909 dieses Land besuchte, fand ich sehr wenige Dörfer an demselben Platze wie 1908. Sie ziehen des Fischfangs, der Algarrobo, ihrer Äcker wegen usw. Während der Trockenzeit ziehen viele Indianer nach dem Rio Pilcomayo, um dort zu fischen. In der Regenzeit ziehen sie sich in das Innere des Landes zurück, wo sie in der Regel ihre Äcker haben. Das ganze Menschenmaterial im Gemeinwesen der Chorotis und Ashluslays ist sehr beweglich. Zuweilen teilen sich die Familien, zuweilen vereinigen sie sich zu großen Gruppen. Die Individuen, besonders die Jugend, ziehen beständig von einem Dorf zum andern. Die Choroti- und Ashluslaydörfer, die ich gesehen habe, lagen teils im Walde, teils auf der Ebene. Einige Chorotidörfer lagen während der Trockenzeit unten am Pilcomayofluß an dem niedrigen, jährlich überschwemmten Ufer. In keinem Chorotidorf waren die Hütten nach einem bestimmten Plane geordnet. In mehreren Ashluslaydörfern waren sie dagegen um eine Art Marktplatz gruppiert, auf welchem die Männer unter Ausschluß der Frauen einen gemeinsamen Sammlungsplatz hatten, der entweder ganz einfach im Schatten eines großen Baumes lag oder durch ein zu diesem Zweck gebautes Sonnendach geschützt war.
Es ist höchst interessant zu sehen, daß wir hier eine sehr primitive Form des von vielen Indianerstämmen bekannten „Männerhauses“ finden, in welchem die Männer sich versammeln, zu welchem die Frauen aber keinen Zutritt haben.
Der Platz für die Dörfer war offenbar überall so gewählt, daß man Fische, wilde Früchte, oder, zur Erntezeit, seine Äcker in der Nähe hatte. Im Innern des nördlichen Chaco ist man bei den Dorfanlagen an die wenigen Tränken gebunden, deshalb sind auch die dortigen Indianer viel seßhafter, als die am Rio Pilcomayo. Dort sind auch die Hütten viel besser gebaut, als an diesem Flusse.