Die Chiriguanos und Chanés sind somit auf dem besten Wege, in den alles andere als glücklichen Kampf zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hineinzugeraten.
Die bolivianische Regierung sollte dafür sorgen, daß die Felder der Indianer ins Grundbuch eingetragen werden, damit die Weißen sich nicht ihrer bemächtigen können. Die Regierung müßte auch die Bedingung aufstellen, daß kein Indianer sein Land verkaufen darf. Auf diese Weise würde die Regierung den Indianern das Besitzrecht am Lande, aber nicht das Eigentumsrecht an demselben zusichern.
Die Unsicherheit und die gedrückten Lohnverhältnisse, unter denen diese Indianer leben, tragen natürlich zur Auswanderung nach Argentinien und vor allem dazu bei, daß viele Indianer das Land nicht nur als Saisonarbeiter, sondern für immer verlassen.
Will die bolivianische Regierung etwas für die Indianer tun, so muß sie in erster Reihe ein Mittel gegen das schlimmste Übel, und zwar den Alkoholismus, zu finden suchen. Zwischen Maisbier- und Branntweintrinken ist nämlich ein ungeheurer Unterschied.
Ein Indianer, der sich in einheimischen Getränken betrunken hat, ist niemals so auf Streit und Schlägerei erpicht, wie derjenige, der von der Höllensuppe der Weißen gekostet hat. Außer daß der Branntwein die Moral und Gesundheit der Indianer schädigt, ruiniert er sie vollständig. Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie ein Indianer für ein Fäßchen Branntwein seine beste Kuh hergeben kann.
Die Brennerei für den eigenen Bedarf ist in Bolivia noch gestattet. Sie müßte verboten werden, ebenso, daß jeder an beliebiger Stelle Alkohol verkaufen darf.
Ganz unvernünftig ist das bolivianische Militärgesetz, das die Indianer zwingt, Militärdienst zu verrichten. Dasselbe kommt zwar sehr selten zur Anwendung, wenn es aber geschieht, und wenn die Behörde einen Jüngling zum Militärdienst abholt, ist er selbst und alle anderen Indianer in der Gegend mit ihm außer sich vor Schreck. Man kann nicht verlangen, daß die Indianer an der Verteidigung des Vaterlandes teilnehmen, bevor sie dieselben Rechte wie andere Bürger haben und wissen, welches ihr Vaterland ist.
Es ist unrecht, zu verlangen, daß sie helfen sollen, Bolivia zu verteidigen, die Weißen zu verteidigen, die ihnen, ihren Begriffen nach, ihr Land gestohlen haben. Auch die Chiriguanos und Chanés lieben ihr Land, aber dieses Vaterland sind nur die Täler und Wälder, in denen ihre Väter gerodet und ihre Mütter Tongefäße für die Feste gemalt haben.
Während der Entwicklungsperiode, die Bolivia jetzt durchmacht, ist es wichtig, sich die indianische Arbeitskraft auch hier im Lande der Chané- und Chiriguanoindianer zunutze zu machen.
Trotz ihrer eigenartigen Kultur setze ich keine großen Hoffnungen auf die Zukunft der Chiriguano- und Chanéindianer. Sie werden indessen als ein wichtiges Element der Mestizenrasse einverleibt werden, die in Zukunft allein über die Trockenwälder des Parapititales und die letzten Ausläufer der Anden nach El Gran Chaco herrschen wird.