Die Tapietes sprechen dieselbe Sprache wie die Chiriguanos, nämlich Guarani. Im vorhergehenden habe ich berichtet, wie auch die Chanés, obschon anderen Ursprungs als die Chiriguanos, deren Sprache angenommen haben.
Ein Chiriguano, der lange bei den Tapietes gewesen ist, behauptete mit Bestimmtheit, daß sie unter sich eine andere Sprache sprechen, die er nicht verstand. Diese Spuren habe ich auf mehrfache Weise zu verfolgen gesucht. Der Tapietehäuptling Yaré beteuerte jedoch, daß dies nicht wahr sei.
Am Rio Parapiti suchte ich in Batirayus Gesellschaft einen Chané, Batcha, auf, der ungefähr ein Jahr mit den Tapietes gelebt hat. Er sagte ebenfalls, er habe sie niemals eine eigene Sprache sprechen hören. Was die Weißen für eine Geheimsprache hielten, sei Choroti, das einige von ihnen sprechen könnten. In der Zeit, die ich bei den Tapietes verlebt habe, habe ich sie nie etwas anderes als Guarani sprechen hören.
Wir kennen somit von ihnen keine andere Sprache, als diese.
Kulturell gehören die Tapietes eher zu den Matacos, Chorotis und Tobas, als zu den Chiriguanos. Dies ist besonders für die wilden Tapietes (Yanayguas) der Fall.
Die Tapietes scheinen mir deshalb ein zur Mataco-Chorotigruppe gehöriger Stamm zu sein, der die Chiriguanosprache angenommen hat, obschon sie ihre eigene Kultur bewahrt haben.
Das Land der Tapietes ist ein gewaltiges Gebiet, das sich vom Rio Pilcomayo bis zum Rio Parapiti und tief in den großen, unbekannten nördlichen Chaco hinein erstreckt. Es ist ein Land, das zeitweise so trocken ist, daß die dort Lebenden kein anderes Wasser haben, als das, das sie aus der Wurzel des „sipoy“ bekommen können. Den Weißen ist es deshalb nicht gelungen, das Land der Tapietes zu erforschen. Diese haben das Glück, ein Gebiet zu besitzen, das den Eroberer nicht hat locken können. Die Schwierigkeit, Nahrung zu finden, und das Eisen der Weißen hat sie jedoch aus ihren Wildnissen herausgelockt und zur Abhängigkeit geführt.
Zuweilen sind sie auch gekommen, um bei den Chiriguanos und Chanés zu dienen. Der Hunger hat sie getrieben. Es ist somit nichts Ungewöhnliches, daß die Tapietes mit Kindern, Hab und Gut, Hunden und Schmutz angewandert kommen und sich in der Nähe eines Chiriguano- oder Chanédorfes niederlassen. Sie müssen dort alle mögliche Arbeit verrichten und werden in Mais bezahlt. Diese Art des Wanderns ist ganz verschieden von der der Chiriguanos und Chanés, stimmt aber mit den Sitten und Gebräuchen der Matacos, Chorotis und Tobas überein.
In dem indianischen Gemeinwesen gibt es keine Diener, habe ich gesagt. Der Häuptling arbeitet ebenso wie die anderen des Stammes. Wir sehen jedoch hier wieder, daß Indianer des einen Stammes bei Indianern eines anderen Stammes dienen können. Die verschiedene Entwicklungsart der Stämme ist hier der Grund eines sehr scharfen Klassenunterschiedes. Daß ein Chiriguano einem Tapiete dienen könnte, wäre unsinnig, lächerlich, ebenso unmöglich, als wenn ein Chiriguanomädchen die Geliebte eines schmutzigen Choroti sein würde. Dies hindert jedoch nicht, daß, wie ich gesagt habe, ein Chiriguano sich mit einem hübschen Chorotimädchen amüsiert. Zur Frau nimmt er sie nicht, das wäre allzu idiotisch.
Innerhalb der Stämme herrscht somit kein Klassenunterschied, zwischen den einzelnen Stämmen kann er dagegen äußerst scharf sein.