Grenzenlos war die Trauer der Frauen, und auch die Männer weinten. Klageschreie ertönten im ganzen Dorfe. „Mein Freund ist tot, mein Freund ist tot“, schrie und sang die blinde Frau. Ihre Trauer, wenn auch affektiert maßlos in ihren wilden Ausbrüchen, machte auf mich den Eindruck der Echtheit.

Die Frauen kleideten den Alten ein. Er wurde in seine besten Lumpen gehüllt und erhielt Sandalen an die Füße. Die Knie wurden ihm bis ans Kinn hinaufgezogen, die Arme kreuzweise über die Brust gelegt und der Kopf abwärts gebogen. So zusammengebogen, wurde er in ein großes Tragnetz gesteckt, das fest um seinen Körper gezogen wurde.

Nun sollte der Alte begraben werden. Seine Frau und Tochter wollten ihn in der Hütte begraben, Yaré sagte aber, er solle in den Wald getragen werden. Weinend versuchte die blinde Witwe ihrem Manne mit den Händen eine Grube in der Hütte zu graben, der Häuptling war aber unbeweglich. Er und noch ein Mann hängten das Bündel mit dem Mann an eine lange Stange, die sie zwischen sich trugen, um ihn in den Wald zu bringen. Außer diesen beiden bestand der Leichenzug nur aus der Tochter, die ihre blinde Mutter nach dem Grabe des Alten führte.

Erst wollte ich mitgehen, dann aber zauderte ich. Der Mensch in mir gewann die Oberhand über den neugierigen Forscher. Ich fühlte, daß ich diese Frauen nicht in ihrer Trauer stören dürfe, daß ich nicht das Recht hatte, mit dem Photographieapparat angelaufen zu kommen.

Von Yaré hörte ich später, daß der Alte mit einer Kalebasse Wasser im Schoß in eine runde Grube gelegt worden war. Kein Grabzeichen zeigt, wo er liegt.

Sobald der Alte gestorben war, schnitten Tochter und Frau die Haare ab und verbrannten sie zum Zeichen ihrer Trauer.

Nach dem Tode des Alten herrschte Trübseligkeit im Tapietedorf. Beständig, besonders des Morgens, hörte man die laute Klage der Frauen, an der auch die Männer teilnahmen.

Wir können sicher sein, daß es auch unter diesen Menschen Männer und Frauen gibt, die Hand in Hand durchs Leben gewandert sind, die sich geliebt haben.

Dies war das einzige Mal, daß ich einen Indianer habe sterben sehen.

Kultur und Sprache der Tapieteindianer.