Ein Jahr darauf besuchte ich, wie erwähnt, wieder den Rio Parapiti. Von dem ganzen Yanayguastamm war keine Spur vorhanden. Sie waren nach Gegenden verschwunden, in die der Weiße niemals dringt, aus Furcht, vor Durst umzukommen, da er die wenigen Wasserstellen nicht kennt.
Die Tsirakuafrau traf ich dagegen bei dem Priester in Charagua, einem Dorfe der Weißen, wohin sie nebst einem kleinen beinahe einjährigen Knaben, den sie während der Gefangenschaft geboren hatte, verkauft worden war. Wir waren richtig gute Freunde, die häßliche Alte und ich. Ich kam zu ihr mit Zucker und Kuchen, und sie zeigte mir mit Stolz und Freude ihren kleinen Jungen, ihren Trost in der Einsamkeit unter den Weißen.
So zog ich weiter.
Der letzte, der sie sah, war Moberg. Eines Tages, als er auf der Dorfstraße ging, traf er eine in Lumpen gehüllte, verzweifelte, verweinte Frau, die ihn am Arm packte und von Haus zu Haus zog, damit er ihr helfe, ihren kleinen Knaben zu finden. Die „Wildin“ aus den Urwäldern des Chacos verstand instinktmäßig, daß dieser blonde Mann mehr Herz hatte, als die anderen Weißen.
Den Knaben hatte der Priester verschenkt oder verkauft, diese arme Frau von allem, dem einzigen, was sie in der Welt besaß, trennend.
Da sie ihr Kind nicht fand, entfloh sie in die Wälder. Ich hoffe, wage es aber nicht zu glauben, daß es ihr gelungen ist, die Ihrigen zu finden, und nicht von den Todfeinden ihres Stammes, den Yanayguaindianern, wieder eingefangen worden ist.
Der Besuch beim Tapietehäuptling Yaré in Yuquirenda am Rio Pilcomayo, verlief dagegen ganz friedlich. Wir wurden richtig gute Freunde, ja so gute Freunde, daß Yaré, nachdem ich das Dorf verlassen hatte, über 100 km ging, um mich zu treffen und mir die Übergriffe der Weißen zu berichten. Yaré bildete sich nämlich ein, ich sei ein mächtiger Mann unter den Weißen.
Was konnte ich für ihn tun? Ich schrieb einen Brief an den Gouverneur im Chaco, Dr. L. Trigo, der den Indianern helfen wollte und auch konnte. Der Brief kam niemals an.
Als ich in Yarés Dorf war, kam eines Tages ein alter, schwacher Tapiete und seine blinde Frau, beide gehegt und gepflegt von einer keineswegs schönen oder jungen Tochter, aus dem Innern des Chacos. Der Greis war krank und die Frauen waren um ihn beschäftigt.
Man holte auch den weißen Mann, der auch den Ärzten ins Handwerk zu pfuschen pflegte, aber schwere Fälle nicht liebte. Wenn ein gebrechlicher Greis am Rande des Grabes steht, ist für einen Arzt nicht viel zu tun, und noch weniger für einen Mann, der von der Heilkunde nichts versteht. Trotz meiner und der Frauen Anstrengung starb der Alte.