Ich entschloß mich sofort für die Visite. Meine schwedischen Begleiter waren natürlich sofort zu dem Abenteuer bereit, und der Dolmetscher, der die Segnungen der Zivilisation durch die Mission kennen gelernt hatte, wurde durch eine Geldsumme mutig gemacht. Mit einem Yanaygua als Wegweiser machten wir uns auf. Über die blendend weißen Sandfelder des ausgetrockneten Rio Parapiti und auf Indianerpfaden reitend, die uns über große Dünen und durch trockene Gebüsche und Wälder führten, kamen wir nach dem Dorf.

Es lag auf einem Hügel in einem Kesseltal. Der Platz war gut gewählt, da das Dorf schwerlich von den Feinden der Yanayguaindianer, den Tsirakuaindianern, überfallen werden konnte, ohne daß die Einwohner Zeit hatten, sich auf die Verteidigung vorzubereiten. Als wir uns dem Dorfe näherten, tauchten überall bewaffnete Leute, wie aus dem Boden hervorgezaubert, auf. Seine Gäste mit Waffen in der Hand empfangen, hielt ich für etwas unhöflich, ich entschuldige aber das Mißtrauen dieser Indianer gegen die Weißen. Vor einigen Jahren waren andere Weiße, wie ich, mit Geschenken gekommen und hatten mehrere Männer in einen Hinterhalt gelockt. Diese wurden gebunden nach Santa Cruz de la Sierra gebracht, um nach den Gummigegenden verkauft zu werden, aber schließlich durch die Vermittlung einiger humaner Leute freigelassen.

Ohne auf die Waffen zu blicken und tuend, als würden wir auf die liebenswürdigste Weise empfangen, ritten wir mitten in das Dorf hinein und fragten nach dem Häuptling. Ein Herr in mittleren Jahren, mit einem Schurkengesicht und einem Streitkolben in der Hand, kam zu uns hin und erhielt sofort ein Waldmesser zum Geschenk. Andere Geschenke wurden ausgeteilt, und das Ganze schien sich auf die freundschaftlichste Weise zu entwickeln. Man bot uns Holzklötze zum Sitzen an, und ich packte bunte Halstücher, Messer, rote und grüne Bänder, Nähnadeln, Mundharmonikas und vieles andere aus den Satteltaschen aus und begann einen lebhaften Tauschhandel.

An einem der Lagerfeuer saß eine einsame, verschüchterte Frau. Sie war eine Kriegsgefangene von dem letzten Kriege der Yanayguas mit den Tsirakuas.

Diese letzteren hatten eine Yanayguafrau und deren Kind getötet, welchen Mord die Yanayguas bei der ersten Gelegenheit zu rächen beschlossen. Eines Tages befanden sie sich auf einer Wanderung in der Wildnis, um wilde Früchte zu suchen, als sie Spuren von Menschen sahen. Infolge der eigentümlichen Abdrücke der großen viereckigen Sandalen ([Abb. 138]) verstanden sie, daß die Spuren von den Tsirakuaindianern herrührten. Sie folgten ihnen und kamen in deren Dörfer. Die Tsirakuas wurden sie jedoch gewahr und konnten fliehen. Die Yanayguas folgten den Spuren und spürten am Abend ihr Lager auf. Sie zogen sich jedoch zurück und fielen sie in der allerfrühesten Morgendämmerung an. Der Überfall kam dem Feinde unvermutet, und er suchte seine Rettung in wilder Flucht. Ein Tsirakuamann wurde getötet und zwei verwundet. Zwei Frauen und sechs Kinder, sowie alles, was sie von der Habe der Indianer mitschleppen konnten, wurden die Beute der Sieger.

Mit Ausnahme der Gefangenen übernahm ich die Kriegsbeute. Es war eine bemerkenswerte Sammlung von Grabkeulen, Wurfkeulen, primitiven Werkzeugen, Mänteln aus Bast usw. Eine der gefangenen Frauen ([Abb. 134]) verkauften die Yanayguas für vierzehn (14) Pesos in schlechtem Branntwein, ungereinigtem Zucker und Sirup an die Weißen.

Diese arme Frau hat mir in einer Sprache, von der ich nicht die Worte, aber doch beinahe alles verstand, ihre Leiden erzählt. Sie erzählte von ihren Kindern, die nun mutterlos in der Wildnis waren. Sie lehrte mich auch etwas von ihrer Sprache.

Mit der Sammlung beladen, verließen wir die Yanayguas mit dem gegenseitigen Versprechen, uns wieder zu treffen. Ich glaubte, die Freundschaft sei fest gegründet. Am Abend desselben Tages, an dem wir bei ihnen waren, zündeten die Yanayguas gleichwohl ihr Dorf an und zogen sich in die Wildnisse des Chacos zurück, da sie von vielleicht dem einzigen Indianerfreund, den sie unter den Weißen kennen gelernt hatten, Verrat fürchteten.

Abb. 134. Tsirakuafrau. Rio Parapiti.