Abb. 31. Ashluslaymann.
Es ist nichts Ungewöhnliches, daß man die Ornamente mit Stempeln ins Gesicht drückt ([Abb. 32]). Diese sind als eine primitive Form der bei den Yuracáreindianern und besonders bei den Stämmen in Nord-Südamerika gewöhnlichen Stempel zur Vervielfältigung der oft sehr schönen Ornamente zu betrachten. Den allereinfachsten Stempel, den ich gesehen habe, beobachtete ich bei einer Tsirakuafrau, über welche ich weiter unten zu berichten Gelegenheit haben werde. Sie berußte zuerst die ganze Innenfläche der Hand und zeichnete dann ein Ornament in den Ruß. Durch Drücken der Hand gegen die Backen bemalte sie sich mit dem Negativ des aufgezeichneten Ornaments. Nachdem man sich fertig gemalt hat, ordnet man die Halsketten aus Schneckenschalen und den Federschmuck. Man prüft die Wirkung der auf verschiedene Weise gedrehten Halsketten, man freut sich über den flatternden Federschmuck, man putzt die Ohrenklötze.
Falls es nicht kalt ist, hat der junge Choroti oder Ashluslay so viel Verstand, daß er sich auf dem Balle nicht mit den von den Weißen direkt oder indirekt erhaltenen alten Hemden oder Hosen, welche den Chaco zu überschwemmen drohen, bekleidet. Hauptsächlich die älteren Männer fangen an, die europäische Kleidung oder richtiger Teile derselben zu tragen, denn selten ist ein Choroti und noch weniger ein Ashluslay so reich, daß er einen vollständigen Anzug besitzt. Hat er einen Rock, so hat er wahrscheinlich keine Hosen, oder umgekehrt.
Die von den Männern angewendete Tracht ist ein Ledergürtel und ein auf alle mögliche Weise drapierter Mantel aus Schafwolle (s. die [Bilder]). An den Füßen tragen sie zuweilen Ledersandalen. Bisweilen haben sie einen Riemen über die Brust gespannt. Um die Stirn haben die Männer allerlei Bänder, und manchmal, wenn sie richtig fein sein wollen, eine mit Schneckenmuscheln besetzte Haube. Andere Schmuckgegenstände bestehen aus Zähnen, Stroh, Haaren, Glasperlen, Fischschuppen usw.
Abb. 32.
Stempel zur Gesichtsbemalung.
Ashluslay. ½.
Der junge Indianer versucht auf den Bällen so elegant, so originell gemalt und geschmückt wie möglich aufzutreten. Jeden Tag malt er sich auf andere Weise und ordnet seine Schmucksachen verschieden. Er hält sich jedoch immer innerhalb der von der Mode gesteckten Grenzen, und eine neue Mode unter diese Menschen zu lancieren, ist keineswegs ein leichtes. Eine von mir erfundene Gesichtsbemalung wurde z. B. niemals anerkannt. Ein Glasperlentypus, der ihnen fremd war, erregte ihr Mißfallen. Sobald man einen der leitenden Elegants bewogen hatte, eine Sache modern zu machen, wollten bald alle sie haben. Ein paarmal ist es sowohl mir als Moberg gelungen, auf den Bällen neue Moden zu lancieren. Besonders Moberg trat auf diesen gewöhnlich wie ein Indianer gemalt, gekleidet und geschmückt auf und wetteiferte um die Gunst der braunhäutigen Indianerinnen. Ein Haupt höher als die anderen tanzte er mit den Chorotis an den Sandufern des Pilcomayo und mit den Ashluslays auf den offenen Plätzen in ihren Dörfern. Nicht so selten sah man eine geschmeidige Indianerin hinter dem stattlichen, blonden Schweden tanzen, ihre Hände auf seinen nackten Rücken legend.
Abb. 33. Chorotielegant.