Im Gegensatz zu den Negern staffieren sich diese Indianer niemals in allen möglichen, oder richtiger unmöglichen bunten Farbenzusammensetzungen aus. Sie haben ja gute Gelegenheit hierzu, wenn die Weißen mit bunten Tüchern als Tauschwaren zu ihnen kommen. Die Indianer und Indianerinnen haben in der Regel Geschmack. Infolge der zu vielen Berührung mit der Zivilisation verschwindet dieser aber. Niemand putzt sich auch in so schreienden Farben, wie zivilisierte Indianerinnen und Mestizenfrauen. Die Choroti- und Ashluslayindianer lieben gleichwohl bunte Farben; am beliebtesten ist Rot. Legt man bei einem Tauschhandel Bänder in verschiedenen Farben vor, so finden zuerst die roten Absatz. Rote Taschentücher sind gesucht. Schwarz lieben sie in der Regel auch. Gewisse Sachen, wie z. B. die Knöpfe für Halsketten, werden weiß gewünscht, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die Schneckenhalsperlen, die sie anwenden, dieselbe Farbe haben.
In meinem Notizbuch hatte ich die verschiedenen Grundfarben und mehrere Schattierungen aufgezeichnet, um zu sehen, wie viele Farben sie unterscheiden könnten.
Die Chorotis nannten Rot, Rosa, Braun und Hellviolett „Chaté“, Gelb und Gelbbraun „máhahi“, Blau und Grün „La-sá-se“, Schwarz, Dunkelviolett und Dunkelgrau „Cho-hua-hí-ni“, Weiß und Hellgrau „La-ma-hí-ni“.
Die Ashluslays nannten Rosa und Rot „Yúk“, Gelb und Weiß „Kóshiash“, Schwarz „Ya-cút“, Blau = Schwarz, Grün zuweilen = Schwarz und zuweilen = Gelb, Violett = Schwarz, Braun bald = Schwarz, bald = Rot. Die Chorotis haben also für fünf Farben Namen, die Ashluslays nur für drei. Dasselbe Individuum ist oft betreffs des Namens einer Farbe zweifelhaft. Er nennt einen Namen, sieht noch einmal hin, bereut es und sagt einen anderen. Aus den beigefügten Photographien sehen wir einige der zahlreichen verschiedenen Schmucksachen, welche die Choroti- und Ashluslaymänner tragen. Zuweilen sieht man sie sich auch mit Blumen schmücken. Die Ashluslays binden das Haar oft vorn zu einer Quaste mitten auf der Stirn zusammen ([Abb. 34]). Die Chorotis drehen manchmal das recht lange Haar mit einem Band zu einem Zopf im Nacken zusammen. Die Federn, welche die Chorotis und Ashluslays im Stirnband tragen, pflegen mit einer oder mehreren Kerben als Ornament versehen zu sein.
Wenn die Herren älter, solide, verheiratete Männer werden, so schmücken sie sich nicht mehr für die Bälle, sondern nur zum Kriege. Diese älteren Herren vernachlässigen ihre Toilette oft sehr stark und sind sehr unsauber.
Die Tracht der Frauen besteht aus einem Schurzfell um die Hüften. Dasselbe wird schon im Alter von drei bis vier Jahren angelegt. Die jüngeren unverheirateten Chorotimädchen tragen jetzt viel den von den Weißen eingeführten Tipoy, ein Kleidungsstück, das ursprünglich von den Chiriguanos kommt. Derselbe verdeckt den Oberkörper vor den lüsternen Blicken der Christen. Ein Indianermädchen, das nur ein Schurzfell um die Hüften trägt, gibt sich in der Regel den Weißen nicht hin. Diejenigen dagegen, welche die „anständige Kleidung“ tragen, sind alle Prostituierte. Mit Ausnahme der Chorotimädchen, die Weiße zu Freunden haben, tragen die Mädchen hier sehr wenig Schmucksachen. Irgend eine einfache Halskette, ein aus Blättern geflochtenes Stirnband, ein Armband aus Rehbockfell, einige Ringe aus Eidechsenhaut, das ist alles. Die Frauen tragen niemals Federn. Dagegen sind sie, wie schon bemerkt, mehr tätowiert als die Männer und nicht selten bemalt.
Abb. 34. Ashluslay mit einer mit Schneckenschalen besetzten Mütze.
Das Schurzfell, das die Chorotifrauen um die Hüften tragen, ist aus hausgewebtem Wollstoff. Die Ashluslayfrauen tragen ein ähnliches Schurzfell aus Rehbockleder. Diese letzteren haben nicht selten aus Nutria oder Schaffellen zusammengenähte warme Mäntel von dem Typ, wie wir ihn nur von den Indianern Patagoniens und des Feuerlandes her kennen.
Sowohl die Choroti- wie die Ashluslayfrauen entfernen die Haare unter den Armen und an den Geschlechtsteilen.