Der Chorotimann zieht, wenn er sich verheiratet hat, nach dem Dorfe seiner Frau und wohnt dort wenigstens einige Zeit.
Vielweiberei scheint sowohl bei den Chorotis wie bei den Ashluslays unbekannt zu sein. Geschwister- und Cousinehe ist verboten. Die Frau ist in der Regel einige Jahre jünger als der Mann. Nur einmal hörte ich von einer aufgelösten Ehe. Es war die meines Chorotifreundes Nyato, dessen Frau sich kurz vorher mit einem anderen Manne nach den Zuckerfabriken in Argentinien begeben hatte. Nyato war sehr melancholisch, aber doch schon wieder verheiratet.
Verschiedene Reiseschilderer[27] malen die Stellung der verheirateten Frau bei den Indianern als sehr beklagenswert aus. Dies rührt sicher in den meisten Fällen von einer oberflächlichen Beobachtung her. Man hat den nur seine Waffen tragenden Mann in Begleitung seiner mit dem ganzen Mobiliar beladenen Frau lange Wanderungen machen sehen und ist über die ungerechte Behandlung der Frau empört. Dies ist jedoch ganz natürlich und gerecht. Der Mann trägt die Waffen und keine andere Last, um bereit zu sein, die Seinigen zu verteidigen und zu jagen, wenn sich Gelegenheit bietet. Richtig ist, daß die Choroti- und Ashluslayfrauen hart arbeiten müssen, sie werden aber nicht schlecht behandelt. Die Männer helfen ihnen in vielem. Viele der von den Frauen angewendeten Werkzeuge werden von den Männern verfertigt. Ihnen gehören alle Geräte, Kleider usw., die sie anwenden, und die Männer respektieren ihr Besitzrecht. Macht der Mann ein Tauschgeschäft, wird die Frau oft um Rat gefragt.
Ich war einmal mit einem Chorotiindianer übereingekommen, mir gegen ein Waldmesser einen Matacoskalp, den er besaß, einzutauschen. Das Geschäft war schon geregelt, da kam seine Frau hinzu. Sie verbot den Tausch ganz einfach. Schließlich bot ich für den Skalp ein Pferd, aber es half nichts. Die Alte war eigensinnig, und der Mann stand unter „der Sandale“. Man sollte wirklich meinen, daß der Mann über eine Kriegstrophäe, die er selbst erworben, auch zu verfügen habe.
Die Frau repräsentiert das arbeitende Element im Stamme, sie ist aber keine Sklavin. Vollkommen freiwillig arbeitet sie fleißig für den Unterhalt ihrer Familie.
An den großen Trinkgelagen, die ich späterhin besprechen werde, nehmen sowohl Chiriguanofrauen als -männer teil. Die letzteren nehmen jedoch den Ehrenplatz ein. Die Choroti- und Ashluslaymänner vertrinken alles allein. Bei allen diesen Indianern essen Frauen und Männer nicht gemeinsam. Man hat auch an das zu denken, was wir betreffend des Geschlechtslebens der verschiedenen Stämme kennen gelernt haben. Die Chorotifrau wählt sich ihren Begleiter durchs Leben, bei den Chiriguanos ergreift der Mann die Initiative. Die Chorotifrau wählt sich einen Mann, um für und mit ihm zu arbeiten, während die Chiriguanofrau gemeinsam mit dem Manne für das Haus arbeitet. Verheiratet sich ein Chorotimädchen, so ist sie schon etwas verblüht. Der Chiriguanoindianer nimmt ein unberührtes Mädchen zur Frau. Für die Chorotifrau beginnt mit der Heirat die dritte Periode ihres Lebens, die Arbeitsperiode, die Chiriguanofrau hat, wenn sie sich verheiratet, noch ihre Jugend und kann ihrem Mann noch gefallen. Wir sehen somit, daß die Stellung der Frau eine bessere ist, wenn die Männer werben, als wenn sie es selbst tut.
Die verheirateten Frauen nehmen niemals am Tanz teil, die verheirateten Männer höchst selten. Wenn die letzteren tanzen, tun sie es in fremden Dörfern und vielleicht, ohne daß die Frau etwas davon weiß. Die verheiratete Frau betrügt ihren Mann in der Regel nicht, auf die Treue des Mannes kann sie sich jedoch nicht allzusehr verlassen. Hat er eine Geliebte, und bekommt die Frau sie in ihre Hände, dann entsteht eine Schlägerei, und oft eine blutige.
Die Indianerfrau gebiert leicht und geht schnell, oft schon nach einem Tage, wieder an ihre Arbeit. Eine ältere Frau übernimmt die Rolle der Hebamme. Bei den Chorotis kommt, wie bei vielen anderen Indianerstämmen, der Brauch vor, daß der Vater des Kindes im Wochenbett liegt und Diät hält.
Die Chorotis haben in der Regel nur zwei bis vier Kinder, die Ashluslays scheinen etwas mehr zu haben. Zwillinge habe ich niemals bei den Indianern gesehen. Keine dieser Indianerfrauen schafft sich ein neues Kind, bevor das vorhergehende herumlaufen kann und ihr nicht allzusehr zur Last fällt. Für diese Indianer, die umfassende Wanderungen vornehmen, ist es nicht ratsam, daß jede Frau mehr als ein Kind hat, das beständig getragen werden muß. Das Zwei- bis Dreikindersystem ist deshalb hier ein gesunder und natürlicher Brauch.
Die Kinder bekommen in der Regel erst Namen, wenn sie alt genug sind, um darauf zu hören. Einige Chorotinamen habe ich aufgezeichnet, z. B. für Männer Yóselianéc (Fuchstöter), Hótenic (Mataco), Éstiáhua (Charata, ein Hühnervogel), und für Frauen Häku (nicht süß), Kósoki (mit Ausschlag), Aséshnialo (viele Frauen).