Wie bei mehreren anderen Volksstämmen, wo die freie Liebe blüht, hat sich diese Institution bei den Chorotis und anderen Chacostämmen zur Prostitution entwickelt, wenn der Stamm mit den Weißen in Berührung kam. So schicken die in dieser Beziehung den Chorotis moralisch gleichstehenden Tobas Gruppen junger Mädchen unter Leitung einer älteren Frau nach Argentinien. Die Matacos sagten offen, am besten verdienten in den Fabriken die jungen Mädchen. Die Chorotimädchen verkauften sich an die Weißen für ca. 50 Centavos oder vier Ellen Zeug. Die bolivianischen Soldaten bekamen sie für ein Stück Brot. Die jüngsten Mädchen hielten sich in der Regel ausschließlich an die jungen Indianer und mischten sich wenig mit den Weißen. Die verheirateten Frauen hatten niemals Verbindungen mit den Weißen. Bei den Ashluslays hat das Verderben 1909 noch wenig Eingang gefunden.

Von älteren unverheirateten Mädchen habe ich bei den Chacoindianern nie reden hören. Dagegen wurde mir bei den Chorotis als große Merkwürdigkeit ein Mann gezeigt, der niemals eine Frau gehabt hatte.

Abb. 38. Tongefäß. Ashluslay. ⅓.

[24] Dicholophus Burmeisteri.

[25] Das Schwirrholz besteht aus einer ovalen Holzscheibe, an die man eine Schnur gebunden hat.

[26] Lehmann-Nitsche. Patagonische Gesänge und Musikbogen. Anthrop. Bd. III. 1908. Siehe auch weiterhin in diesem Buche.

[27] Eine richtige Auffassung der Stellung der Frau im indianischen Gemeinwesen hat Koch-Grünberg in seiner ausgezeichneten Schilderung des Indianerlebens am Rio Negro gegeben. Zwei Jahre unter den Indianern. Berlin 1909.

[28] Bulnesia Sarmienti.

[29] Infolge der Armut an Steingeräten wäre das archäologische Studium eines Volkes, das auf seinen Begräbnisplätzen nicht mehr hinterlassen hat, als die Chacovölker, eine sehr undankbare Aufgabe. Wenige Tonscherben, Schneckenschalen und knöcherne Pfriemen sind alles, was man finden könnte. Sie legen sehr wenig Beigaben in die Gräber. Die Völker, die auf demselben Standpunkt wie die Chacovölker gestanden und unter ähnlichen Verhältnissen gelebt haben, können wir niemals durch archäologische Forschungen näher kennen zu lernen hoffen.