Das Tuscabier wird so zubereitet, daß man die Frucht mahlt, Wasser hinzusetzt und das Ganze dann in einer schmutzigen Haut oder in großen Kalebassen gären läßt. Eines Nachts war ich mit dabei, als in einem Chorotidorf das Tuscabier gegoren wurde. Dies begann damit, daß zwei Männer im Männerhaus, den Rücken einander zugewendet, um das Feuer herumsaßen und sangen und den Takt mit den Kalebaßklappern angaben. Etwas später setzte man sich um die Haut, in welcher man das Bier zu gären begann. Ein Mann und ein Jüngling sangen, von einer Klapper akkompagniert, das Gesicht dem Monde zugekehrt. Hier und da johlten und klapperten andere Männer. Hierauf wurde die Tongefäßtrommel herbeigeholt und auf einen Strohring gestellt. Mit eintönigen Schlägen begleitete man den Gesang. Mitten in der Nacht wurde er unterbrochen und man lief nach dem Fluß und fischte mit ganz gutem Erfolg. Die Fische wurden geröstet und verzehrt. Nachdem das Nachtmahl gehalten war, begann wieder der Gesang und wurde mit einer Trommel und vier Klappern fortgesetzt. Die Gesänge kamen mir wie bloße Refrains vor: Höö, höö, höö, höö, la e la, höö, la e la ... höö, höö, la e la. Man sang erst leise, dann plötzlich ansteigend und wieder abfallend. Mehrere johlten unisono. Ruhte die eine Gruppe, so begann eine andere. Des Morgens wurde wieder gefischt und zum Frühstück das mit so großer Sorgfalt zubereitete Tuscabier getrunken, das, nachdem es durch eine schmutzige Tasche geseiht worden war, in Kalebaßschalen gereicht wurde. Die Choroti glauben durch Singen die Gärung zu beschleunigen.

Das Tuscabier hat einen säuerlichen, erfrischenden Geschmack, aber einen ekelhaften Geruch.

Die Chañarfrüchte kocht man und läßt sodann die ganze Suppe gären.

Die Algarrobofrüchte werden gemahlen und in Wasser gewärmt, worauf man sie, wie die vorhergehenden, in großen schmutzigen Kalebassen oder in gewaltigen Holzmulden aus Flaschenbaumholz[34] gären läßt. Die Ashluslays habe ich die Hefe in der Weise bereiten sehen, daß sie einen Teil des gemahlenen Algarrobo kauen und dann zu dem übrigen hinspeien. Das Chañarbier hat einen süßsäuerlichen, etwas ekligen Geschmack, das Algarrobobier ist gut. Es hat einen süßen, etwas zusammenziehenden Geschmack. Hat es zu lange gegoren, so ist es stark berauschend. Wie das Maisbier zubereitet wird, habe ich nicht gesehen. Es ist bei einer Menge Indianerstämme in Südamerika gut bekannt. Es hat einen erfrischenden, angenehmen Geschmack.

Bei den Ashluslays habe ich an verschiedenen großen, bei den Chorotis an einigen kleineren Trinkgelagen teilgenommen. Es war interessant, hat aber einige Selbstüberwindung gekostet. In den Dörfern befindet sich gewöhnlich ein den Trinkgelagen geweihter Platz. Um die Mittagszeit versammeln sich dort die Männer, jeder kommt mit seiner Sitzmatte und seiner zwei bis drei Liter haltenden Kalebaßschale. Die Frauen schaffen gewaltige Kalebassen mit Bier herbei. Dies wird zuweilen in ein großes Tongefäß ([Abb. 40]) gefüllt, aus dem es dann dargereicht wird. Bei einem Fest bei dem alten Aslú wurde das Algarrobobier in einem echt europäischen Nachtgeschirr von wohlbekannter Form herumgereicht. Die Alten fischen mit den Händen den Staub aus dem Bier, das sie dann zwischen den schmutzigen Fingern durchseihen.

Abb. 40. „Bowle“, aus einem Ashluslaydorf. ¹⁄₁₂.

Der Gast wird, besonders wenn er das Unglück hat, beliebt zu sein, sehr gut behandelt. Er erhält eine Sitzmatte und eine zwei bis drei Liter enthaltende Kalebasse. Setzt er sich, winken ihm alle mit der Hand zu, und er muß das gleiche tun. Das ist ein Gruß. Dann heißt es trinken, denn hier gilt es auszutrinken, sonst ist man unhöflich. Ist es einem gelungen, seinen Liter herunterzubekommen, ohne sich zu übergeben, dann beginnt wieder das Winken. Die in der Nähe sitzenden Alten wischen einem nun, der eine nach dem anderen, immer mit ihren schmutzigen Fingern den Mund. Das ist der Gipfel der Freundlichkeit. Muß man nach allem diesem einmal austreten, dann darf man keinesfalls vergessen, seinen Nachbarn mit der Hand zuzuwinken und „paa“ zu sagen, denn sonst ist man ungezogen. Das schlimmste ist, daß man zurückkommen und aushalten muß, bis das Fest aus ist, bis die Wirte betrunken sind und heulen, Reden halten, in die Bowle spucken und sonst ihr Vergnügen haben. Ohne die Pfeifenspitze abzuwischen, muß man ruhig mit alten, schmutzigen, geifernden Greisen abwechselnd rauchen.

Als die Alten richtig in Stimmung gekommen waren, haben sie mir das Gesicht mit Ruß und Speichel schwarz bemalt. Meine Augenbrauen und Augenhaare wollten sie ausreißen, sie verspotteten mich wegen meines langen, häßlichen Bartes, in meine Ohren wollten sie Löcher bohren.

Bei diesen Trinkgelagen, wo alle betrunken sind, habe ich niemals ein hartes Wort sagen hören, niemals bemerkt, daß die geringste Zänkerei entstanden ist. Ist der Indianer von seinem selbstgebrauten Bier betrunken, so ist er nicht angenehm, er wird aber niemals unverschämt, er gehört zu dem Typ Betrunkener, die alle umarmen wollen, deren Freundlichkeit unangenehm übertrieben ist. Er wird mutig und prahlt mit seinen Kriegertaten. Feldzugspläne werden besprochen, die vergessen sind, wenn der Rausch vorüber ist. Er singt und ist heiter.