Vor langer, langer Zeit gab es keine Christen, sondern alle, die Vorväter der Matacoindianer wie der Christen, lebten in einem Hause. In diesem war alles. Dort gab es Äxte und Werkzeug und Pferde und Vieh und schöne Kleider für die Frauen. Die Vorväter der Christen nahmen die Äxte, das Werkzeug, die Pferde, das Vieh und die schönen Kleider für die Frauen und gingen weg und ließen für die Matacos nur Tonkrüge, Hunde und andere schlechte Sachen zurück. Deshalb haben die Christen jetzt Äxte, Werkzeug, Pferde, Vieh, schöne Kleider für die Frauen und die Matacos sind arm und haben nur Tonkrüge, Caraguatátaschen und Hunde.
Diese moderne Sage hat hier eine große Verbreitung. Ich kenne sie z. B. auch vom Rio Parapiti, wo sie mir in etwas verschiedener Form von den Chanes erzählt wurde.
Der Fuchs und der Stier.
Es wird erzählt, der Fuchs habe den Stier eingeholt. Es wird erzählt, daß er Feuer vor den Stier getragen hat. Es wird erzählt, daß er gesagt hat, er wolle dem Stier die Steine abschneiden. Wiederum hatte er Feuer angemacht und den Stier verfolgt, indem er sagte, daß er dem Stier die Steine abschneiden wolle. Der Stier war zuletzt ermüdet, aber er hat ihm nichts abgeschnitten. Es wird gesagt, daß er gesagt hat: Warum soll ich ihn verfolgen, ich will ihm nichts abschneiden, und ließ die Füchse ärgerlich zurück. Die Füchse haben geweint, da sie hungrig waren. Sie gingen dann und suchten Tusca und Algarrobo.
Diese Sage ist beinahe unbegreiflich. Mit Steine abschneiden meint man wohl töten. Die Sage dürfte ganz modern sein.
Ehrenreich hat nachgewiesen, wie Sagen mit fremden Elementen aus Nordamerika nach Südamerika eingewandert sind. Boas und Bogoras haben früher den Zusammenhang zwischen den nordamerikanischen und den nordasiatischen Sagen dargetan.
Von den hier von den Matacos angeführten Sagen ist besonders eine, die von diesem Gesichtspunkte aus von Interesse ist. Es ist die von dem Sohn des Chuña. Die eigentümliche Zeugung sowie die Art der Erforschung der Vaterschaft stimmt besonders mit der Osttupi-Variation[40] dieser Sage überein. Auch dort wurde der als Vater betrachtet, von dem der Knabe Pfeil und Bogen annahm.
Ehrenreich[41] hat gezeigt, wie diese Sage, besonders die peruanische Variation, auf ganz merkwürdige Weise mit einer von Bastian aus Siam aufgezeichneten Sage übereinstimmt.
Möglicherweise zeigt uns das Vorkommen der Sage bei den Matacos den Weg, den sie von Peru zu den Osttupis in Brasilien gewandert ist. Wie sie von Siam nach Peru gekommen ist, ist eine Frage, die Ehrenreich offen läßt. Es ist wohl eine für künftige Ethnologen hart zu knackende Nuß.
Sollte mich etwas Besonderes nach dem Rio Pilcomayo zurücklocken, so wäre es das Studium der religiösen Vorstellungen dieser Indianer. Es gibt viel, was sie mir nicht haben mitteilen wollen. Was ist beispielsweise der oben von mir beschriebene mystische Gesang bei der Zubereitung des Tuscabieres anders als eine religiöse Zeremonie. Des Nachts hörte ich zuweilen in den Hütten Gesang zum Takte der Klappern. Als ich hineinging, wurde alles still. In aller Freundschaft hatte man mir die Tür gewiesen. Warum setzten sie auf die elende Tontrommel, ein mit Wasser zur Hälfte angefülltes Tongefäß, über welches ein Fell gespannt ist, einen so großen Wert, wenn sie nicht heilig wäre? Die Matacos wollten die Trommel nicht hergeben, denn dann stirbt einer. Wie von Rosen, ist es auch mir gelungen, von den Chorotis eine solche Trommel zu erhalten, von den Matacos ist es unmöglich. Es scheint mir, als ob bei den verschlossenen Matacoindianern[42] das Religiöse eine größere Rolle spielt, als bei den heiteren, sorglosen Chorotiindianern. Will man die Religion dieser Indianer studieren, so muß man sehr lange bei ihnen verweilen und alle Gedanken an eine Expedition zur Heimführung großer Sammlungen aufgeben. Weiterhin in diesem Buche werde ich die religiösen Begriffe eines anderen höherstehenden Indianerstammes, die ich zu verstehen glaube, schildern. Wie interessant wäre es gewesen, Vergleiche mit den niedrigerstehenden anstellen zu können.