Ganz gewöhnlich war es, unter den Chorotis und Ashluslays solche zu finden, die gar nicht zeichnen konnten, sondern auf dem Stadium des „Kritzelns“ standen, d. h. auf demselben Standpunkt, wie unsere zwei- bis dreijährigen Kinder ([Abb. 63]). Sahen sie dann andere zeichnen, so imitierten sie und zeichneten dann besser.
Die Kinder zeichneten zuweilen besser als die Älteren. So habe ich mehrere verhältnismäßig gute Zeichnungen von einem zirka siebenjährigen Ashluslayknaben ([Abb. 65]).
Da die Indianer sich außerordentlich leicht von den Zeichnungen, die man selbst gemacht hat, beeinflussen lassen, darf man in einem Dorfe, wo man solche zu sammeln beabsichtigt, nicht selbst zeichnen. Ich pflegte beispielsweise in meinem Notizbuch schnell Gesichter zu zeichnen, in welche ich Tätowierungen und Gesichtsbemalungen einführte. Vergleichen wir die beiden Zeichnungen [Abb. 64 A u. B], so ist die erste 1908 ausgeführt, ohne daß die Zeichnerin, ein Chorotimädchen, Ashlisi, von diesen meinen Zeichnungen beeinflußt worden ist, während sie bei [64 B], gezeichnet 1909, mich schon imitiert.
Zu den allerprimitivsten Zeichnungen pflegten die Indianer höchst eigentümliche Erklärungen zu geben. Keiner meiner Leser wird, nehme ich an, verstehen, daß die [Abb. 63] wiedergegebene Zeichnung eine Mais erntende Frau darstellen soll. Unsere kleinen Kinder sehen auch oft in ihren Zeichnungen vieles, was wir Älteren nicht Phantasie genug haben, zu begreifen.
Die [Abb. 65] abgebildete Frau zeigt uns die kindliche Unschuld der Indianer.
[43] K. v. d. Steinen, Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens. Berlin 1894.
[44] Acacia moniliformis.
Achtes Kapitel.
Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung).
Krieg und Frieden.
Als ich die Chorotis und Ashluslays im Jahre 1908 besuchte, herrschte zwischen diesen beiden und den Matacos ein sehr gespanntes Verhältnis. Die Chorotis und Tobas waren ebenfalls keine Freunde. In welchem Verhältnis die Ashluslays zu den Tobas standen, weiß ich nicht, da ich die Gegenden, wo diese Stämme aneinandergrenzen, in diesem Jahre nicht besuchte.