Zuweilen wurde Bingo plötzlich durch die erhaltenen Neuigkeiten so aufgeregt, daß er die Spur aufnahm und im Galopp nach der nächsten Station lief, um nähere Erkundigungen einzuziehen.
Oft rief die Untersuchung auch nur ein würdevolles Kopfschütteln hervor, das sich ungefähr aussprach wie: »O du meine Güte, wer zum Kuckuck war denn das?« Oder: »Ich glaube fast, ich machte die Bekanntschaft dieses Herrn schon im vorigen Sommer.«
Als Bingo sich eines Morgens dem Grenzpfahl näherte, sträubten sich seine Haare, er kniff den Schwanz ein, zitterte am ganzen Leibe, und man konnte erkennen, daß ihm plötzlich übel wurde, alles sichere Zeichen von Angst und Schrecken. Auch schien er keine Lust zu fühlen, der Spur zu folgen, sondern kehrte nach dem Hause zurück, und noch eine halbe Stunde danach standen seine Haare zu Berge, und sein Gesichtsausdruck zeigte Haß und Furcht.
Bei näherer Untersuchung der gemiedenen Fährte entdeckte ich, daß das entsetzte, tief gegurgelte »Grrhwuf« »Waldwolf« bedeutete.
Dies ist einiges von dem, was Bingo mich lehrte. Wenn ich ihn dann später sah, wie er sich von seinem kalten, ungemütlichen Lager vor der Stalltür erhob und sich streckte, den Schnee aus seinem zottigen Fell schüttelte und in einem steten Trott in der Dämmerung verschwand, dann pflegte ich zu denken:
»Aha, du alter Schwede, ich weiß schon, wo du hin willst, und warum du den Schutz des Stalles verschmähst. Ich weiß auch, warum deine nächtlichen Streifzüge so genau an bestimmte Zeiten gebunden sind und woher du es weißt, wohin dich zu wenden, um den zu finden, den du suchst.«
V.
Im Herbst des Jahres 1884 verließen wir die De-Winton-Farm, und Bingo war genötigt, sein altes Quartier mit einem neuen, dem Stall unseres Nachbars Gordon Wright, zu vertauschen.
Seit den ersten Tagen seiner Jugend hatte er sich geweigert, ein Haus zu betreten, ausgenommen während eines Gewitters. Vor Donner und Feuerwaffen hatte er eine tiefeingewurzelte Angst, und die Furcht vor dem Grollen der Elemente hatte zweifellos ihren Ursprung in einem unangenehmen Abenteuer mit einem Gewehr. Sein Nachtlager war, selbst während des kältesten Wetters, außerhalb des Stalles. So konnte er sich seiner nächtlichen Freiheit ungehindert erfreuen und sie nach Kräften ausnutzen. Bingos mitternächtliche Wanderungen dehnten sich meilenweit über die Ebene aus. Dafür hatten wir genügende Beweise. Einige Farmer aus weitentfernten Gegenden ließen Gordon sagen, daß sie von ihren Gewehren Gebrauch machen würden, wenn er seinen Hund des Nachts nicht zu Hause hielte, und Bingos Furcht vor Feuerwaffen bewies, daß dies keine leeren Drohungen waren. Ein Mann, der weit, weit entfernt in der Nähe von Petrel lebte, erzählte, er habe an einem Winterabend einen großen schwarzen Wolf gesehen, der einem Präriewolf den Garaus machte. Später aber änderte er seine Ansicht und meinte, es müsse Wrights Hund gewesen sein.
So oft der Körper eines erfrorenen Rindes oder eines Pferdes sich irgendwo fand, war Bingo auf geheimnisvolle Weise sofort benachrichtigt, begab sich stehenden Fußes nach der Stelle und stillte, die Präriewölfe hinwegtreibend, seinen Hunger bis zum Platzen.