Zuweilen war der Grund zu seinen nächtlichen Wanderungen auch die Liebe zu irgendeines Nachbars Hündin, und es war nicht zu befürchten, daß Bingos Geschlecht je aussterben würde. Einer behauptete sogar, er habe eine Wölfin mit drei Jungen gesehen, die der Mutter zwar ähnelten, jedoch größer und schwarz waren und um das Maul einen weißen Ring trugen.

Ob das wahr ist oder nicht, weiß ich nicht; ich erinnere mich, daß wir spät im März mit Bingo, der hinter uns hertrottete, im Schlitten über Land fuhren und aus einer Höhle einen Präriewolf aufstöberten. Er sauste davon, und Bingo in voller Karriere hinterdrein, aber der Wolf schien sich nicht besonders anzustrengen, um zu entfliehen. Nach einigen Sekunden hatte der Hund ihn eingeholt und, so sonderbar es auch klingen mag, es entspann sich kein hitziger Kampf, keine blutige Balgerei!

Bingo lief liebenswürdig neben dem Wolf her und leckte ihm die Nase.

Wir waren sehr erstaunt und hetzten Bingo gegen den Graurock auf, aber unser Schreien und Rufen hatte nur zur Folge, daß der Wolf davonrannte und der Hund hinterher, bis er ihn wieder überholt hatte. Seine Liebenswürdigkeit war zu auffällig, und es begann in meinem Kopfe zu dämmern: das war eine Wölfin, und Bingo wollte ihr kein Leid tun. Wir riefen unsern ungeratenen Hund und fuhren heim.

Nach diesem Tag wurden wir wochenlang durch die Räubereien einer Wölfin belästigt, die unsere Hühner mordete, Stücke Fleisch aus dem Hause stahl und verschiedene Male die Kinder in Schrecken setzte, indem sie frech zum Fenster hereinschaute, wenn die Männer fort waren.

Schließlich wurde die Wölfin erschossen, und Bingos bittere Feindschaft gegen Oliver, der den glücklichen Schuß getan, bewies seine Zuneigung zu der Dahingeschiedenen zur Genüge.

VI.

Es ist wunderbar, wie Mensch und Hund zusammenhalten und wie sie sich in Not und Gefahr nie verlassen. Butler erzählte von einem alten Indianerstamm im fernen Norden, der sich in blutiger Familienfehde aufrieb, und zwar einzig und allein um eines treuen Hundes willen, der einem Krieger des Stammes gehörte und von einem Nachbarn getötet wurde. Ja selbst unter uns hört man oft genug von Gerichtsverhandlungen, ernsten Streitigkeiten und Fehden, die alle von dem alten Satze ausgingen: »Sei meines Hundes Freund, und du bist auch der meine!«

Einer unserer Nachbarn besaß eine kostbare Rüde, die er für die beste und wertvollste auf der Welt hielt. Der Mann war mein Freund, und folglich war ich auch seinem Hunde zugetan. Als daher eines Tages der arme Tan furchtbar verstümmelt heimgekrochen kam, vor der Tür liegen blieb und verendete, schwor ich im Verein mit seinem Herrn furchtbare Rache, und ließ nichts unversucht, den Mörder zu entdecken.

Ich setzte Belohnungen aus und suchte eifrig nach Beweismaterial zur Überführung des Verbrechers. Schließlich kam es zutage, daß wohl drei Männer, die südlich von uns wohnten, bei dieser blutigen Affäre ihre Hand im Spiel gehabt haben mußten. Die Beweise häuften sich, und beinahe waren wir so weit, die Angelegenheit der Gerechtigkeit zu übergeben, die das Urteil über die Mörder des armen Tan sprechen sollte.