gewöhnlich an die gemeinen Soldaten gerichtet wird und »Achtung« bedeutet.

Frühzeitig im April schien etwas Großes unter den Krähen vorzugehen. Irgend etwas höchst Aufregendes und Wichtiges mußte sie betroffen haben. Den halben Tag trieben sie sich zwischen den Fichten umher, anstatt wie sonst von Sonnenaufgang bis -niedergang auf die Nahrungssuche auszugehen. Zu zweien und dreien konnte man sie herumjagen und -huschen und von Zeit zu Zeit die verwegensten Flugkunststückchen ausführen sehen. Es war ein besonderer Lieblingssport einiger, aus der blauen Höhe plötzlich auf irgendeine friedlich ruhende Krähe herabzuschießen und gerade, ehe sie sich berührten, zu wenden und den Flug zurück in die Luft zu nehmen, wobei die Flügel des Künstlers ein Geräusch verursachten, das wie entfernter Donner klang. Oft neigte auch eine Krähe den Kopf, blies die Federn auf, daß sie wie ein Igel aussah, näherte sich einer anderen und gurgelte ihr einen langgezogenen Ton entgegen, der klang wie

Nr. 10.

Was dies alles zu bedeuten hatte, sollte ich bald erfahren. Die Krähen machten sich Liebeserklärungen und begannen sich zu paaren. Die Männchen bewiesen den Damen ihrer Wahl ihre Flügelkräfte und ihre Geschicklichkeit und ließen ihre Stimmen gar lieblich und berückend erschallen. Und der Erfolg dieser Bemühungen konnte nicht ausgeblieben sein; denn Mitte April zogen sie alle auf die Hochzeitsreise, zerstreuten sich über die ganze Gegend, und die düsteren, alten Fichten von Castle Frank standen verlassen und einsam.

II.

Der Zuckerhut-Hügel steht allein im Dontal, bedeckt mit Waldungen, die sich mit denen von Castle Frank vereinigen. Mitten in diesen Forsten steht ein Fichtenbaum, in dessen Gipfel ein verlassener Habichtshorst hängt. Jeder Schuljunge von Toronto kennt dieses Nest; aber weder ich noch irgend jemand sonst hatte je ein lebendes Wesen darin gesehen, ausgenommen das einemal, als ich ein schwarzes Eichhorn vom Rande herunterschoß. Hoch oben hing das Nest, jahraus, jahrein, alt und struppig, und schien nur auf einen tüchtigen Sturm zu warten, der es vollkommen herunterreißen sollte. Jedoch, so wunderbar es auch klingen mag, es zerfiel nicht ganz in Stücke.

Eines Morgens im Mai ging ich früh beim Morgengrauen aus und schlüpfte geräuschlos durch den Wald, dessen welke Blätter noch zu feucht waren, um zu rascheln. Zufällig kam ich an dem alten Nest vorüber und war höchst erstaunt, einen schwarzen Schwanz über den Rand hinausgucken zu sehen. Ich gab dem Baum einen tüchtigen Schlag, und eine Krähe flog auf. Das Rätsel war gelöst. Lange hatte ich schon den Verdacht gehegt, daß ein Krähenpaar jedes Jahr zwischen den Fichten nistet, und nun entdeckte ich, daß es Silberfleck mit seiner Gattin war. Das alte Nest war ihre Hochburg, und sie waren zu klug, ihr durch Frühjahrsreinemachen und unnötige Reparaturen ein freundliches Aussehen zu verleihen. Hier hatten sie schon lange Jahre gehaust, obwohl Jäger und Jungen, die leidenschaftlich der Krähenjagd oblagen, tagtäglich mit gefährlichen Feuerwaffen unter ihrer Wohnung vorüberkamen. Nach dieser Entdeckung störte ich den alten Gesellen nicht zum zweitenmal, aber ich beobachtete ihn oft durch mein Fernrohr.

Eines Tages bekam ich eine Krähe zu Gesicht, die mit etwas Weißem im Schnabel das Tal kreuzte. Sie flog in der Richtung nach dem Rosedale-Bache und landete bei einer hohen Ulme. Dort ließ sie einen blanken Gegenstand fallen, und als sie sich darauf schnell und vorsichtig umsah, erkannte ich sie als meinen alten Freund Silberfleck wieder. Nach einer Weile nahm er das weiße Ding – eine Muschelschale – wieder auf und lief gravitätisch zur Quelle hinüber, die mit Sauerampfer und großblätterigen Sumpfgewächsen überwuchert war. Dort machte er sich eifrig an die Arbeit, einen Haufen von Muscheln und anderen glänzenden Gegenständen aus der Erde hervorzuwühlen. Er breitete sie in der Sonne aus, drehte sie von einer Seite auf die andere, hob sie der Reihe nach auf, ließ sie wieder fallen, behandelte sie aber dabei wie rohe Eier und wühlte mit gierigen Augen darin, wie ein alter Geizhals in seinen Schätzen. Das war sein Steckenpferd, seine einzige Schwäche. Hätte man ihn gefragt, er hätte kaum eine Erklärung geben können, warum er es tat, ebensowenig wie ein Schuljunge weiß, warum er Briefmarken sammelt, oder ein Mädchen erklären kann, warum sie Perlen Rubinen vorzieht. Nach einer halben Stunde harmlosen Spielens mit seinem Schatze bedeckte er alles, auch den neuen Zuwachs der Sammlung, sorgfältig mit Blättern und Erde und flog davon. Sofort ging ich nach dem Fleck und machte Ausgrabungen. Da fand ich denn einen ganzen Haufen weißer Kieselsteine, glänzender Muscheln, Zinkstückchen und mitten darunter den Henkel einer kostbaren Porzellantasse, der gewiß das Glanzstück der Sammlung war. An diesem Tage sah ich den Schatz zum ersten- und letztenmal; Silberfleck wußte, daß jemand seine Kostbarkeiten gefunden hatte, und entfernte sie sofort; wohin er sie brachte, weiß ich bis heute nicht.