»Ich sah die Bande heute morgen,« meinte er, »und die Ungehorsame, die immer vorausläuft, ist Blanca.« Da dämmerte mir die Wahrheit. Blanca, die Wölfin, durfte sich derartige eigenmächtige Handlungen erlauben, während ein Wolf von seinem Herrscher sofort erwürgt worden wäre.
Diese Tatsache gab mir einen neuen Plan ein. Ich schlachtete einen Jährling und setzte einige Fallen ziemlich auffällig bei dem Kadaver aus. Dann schnitt ich den Kopf ab, dem ein Wolf als Abfall keine Beachtung zu schenken pflegt, und warf ihn beiseite, vergrub aber rund herum sechs der stärksten Stahlfallen und bedeckte sie aufs sorgfältigste. Zu diesen Vorbereitungen beschmierte ich meine Hände, Stiefel und Werkzeuge mit frischem Blut und begoß auch den Erdboden so, als ob es von dem Haupte des Schlachtopfers geflossen wäre. Als dann alles in Ordnung war, schleifte ich das Fell eines Präriewolfes einige Male über die Stelle und machte mit dessen Tatzen eine Anzahl Fußspuren auf die Erde über den Fallen. Der Kopf war so gelegt, daß zwischen ihm und einigen Büschen ein schmaler Gang blieb. Auch dort vergrub ich zwei meiner besten Fallen und befestigte sie direkt an den Hörnern.
Die Wölfe haben die Gewohnheit, jeden Kadaver zu untersuchen, von dem sie Wind bekommen, selbst dann, wenn sie nicht die Absicht hegen, davon zu fressen. Auf diesen Umstand hatte ich meinen Plan gebaut und hoffte, daß die Currumpaw-Bande sich dem Leichnam nähern würde. Zwar zweifelte ich keinen Augenblick, daß Lobo sofort die Fallen neben dem Fleische entdecken und sein Gefolge davon zurückhalten würde, aber ich setzte große Hoffnungen auf den Kopf; denn er machte ganz den Eindruck, als wäre er nutzlos beiseite geworfen worden.
Am nächsten Morgen ritten wir aus, um die Fallen zu untersuchen, und wer beschreibt unsere Freude, als wir die Fußspuren der ganzen Bande fanden. Aber der Platz, an dem der Kopf mit seinen Fallen gelegen, war leer. Eine hastige Untersuchung der Fährte zeigte, daß Lobo die Wölfe von dem Fleisch zurückgetrieben hatte. Ein kleiner Wolf war jedoch seitwärts gelaufen, um den Kopf näher zu untersuchen, und mitten in eine der Fallen hineingeraten.
Wir nahmen die Fährte auf und erblickten nach einem Ritt von einer Meile den unglücklichen Wolf – Blanca. Sie lief im Galopp davon, und obwohl sie durch den Kopf, der über fünfzig Pfund wog, behindert wurde, war sie bald außer Sehweite meines Gefährten, der zu Fuß folgte. Jedoch wir überholten sie, als sie zwischen den Felsen angelangt war, denn die Hörner des Kopfes hatten sich fest verfangen. Blanca war die prächtigste Wölfin, die ich jemals gesehen hatte; ihr Fell war weich und dicht und nahezu weiß.
Sie wendete sich zur Verteidigung, erhob ihre Stimme zum Kriegsgeschrei ihrer Rasse und sandte ein furchtbares Geheul das Tal hinauf. Weit aus der Ferne kam eine tiefgrollende Antwort – der Ruf Alt-Lobos. Es war ihr letzter Schrei, denn inzwischen waren wir herangekommen, und sie mußte ihre ganze Aufmerksamkeit der Verteidigung zuwenden.
Es folgte eine grausame Szene, wir warfen jeder unsern Lasso über den Hals der zum Tode verurteilten Wölfin, spornten unsere Pferde in entgegengesetzten Richtungen an und zogen die Leinen straff, bis Blanca das Blut aus dem Maule troff, ihre Augen hervorquollen, ihre Glieder erstarrten und sie tot zu Boden fiel. Dann ritten wir heimwärts und schleiften die tote Wölfin mit uns, triumphierend über den harten Schlag, den wir Lobo zugefügt hatten.