Dieser Kunstgriff war von Vixen meisterlich ausgeführt worden, und am Fuße des Bahndamms fanden wir die zermalmten Überreste unseres alten, treuen Rangers, und irgendwo im Walde saß die Füchsin und lachte sich ins Fäustchen.
Noch in derselben Nacht kam sie zum Hofe zurück, ehe der müde Jagdhund Flick sich eingefunden hatte, mordete eine Henne, brachte sie Tip und streckte sich außer Atem neben ihm nieder. Sie schien zu glauben, der Gefangene bekäme keine andere Nahrung als die, die sie ihm brachte.
Diese Henne verriet meinem Onkel den nächtlichen Besuch.
Meine volle Zuneigung und Teilnahme war mit Vixen, und ich weigerte mich, meine Hand zu neuem Morde zu bieten. In der nächsten Nacht wachte mein Onkel in höchsteigener Person, das Gewehr im Arm, eine ganze Stunde. Als es dann kühler wurde und der Mond sich umwölkte, fiel ihm irgendein anderes wichtiges Geschäft ein, und er rief einen von unseren Leuten an seine Stelle.
Doch dieser machte es sich bald bequem, als die Stille der Nacht und das gespannte Wachen seine Nerven zu sehr anstrengten, und das laute »Bäng! Bäng!« eine Stunde später regte uns wenig auf; denn es war nur Pulver um nichts verschossen worden.
Am Morgen fanden wir, daß Vixen ihr Junges nicht vergessen. – Den nächsten Abend hielt mein Onkel zum zweitenmal Wache, da wieder ein Huhn verschwunden war. Kurz nach Eintreten der Dunkelheit ertönte ein Schuß; Vixen ließ die Beute, die sie trug, fallen und entfloh. Ein zweiter Versuch, den sie in der gleichen Nacht machte, ließ wieder einen Schuß folgen. Jedoch am Morgen bewies das Glänzen der Kette, daß sie zum drittenmal gekommen war und stundenlang vergeblich versucht hatte, die grausamen Bande, die ihr Kleinod hielten, zu durchbeißen.
Eine solche Tapferkeit und standhafte Treue muß Achtung, wenn nicht gar Mitleid gewinnen. In der nächsten Nacht wachte kein Schütze, und alles war still. Was sollte es auch nützen? Dreimal war Vixen durch Schüsse hinweggejagt worden, würde sie nun noch einmal versuchen, ihr gefangenes Kind zu befreien oder zu füttern?
Würde sie es tun? Ihre Liebe war die einer Mutter! Es war in der vierten Nacht, als das klagende Wimmern des Kleinen beim Auftauchen einer schattenhaften Gestalt auf dem Holzstoß verstummte.
Aber sie trug keinen Vogel, kein Beutestück, soviel ich erkennen konnte. Hatte die geschickte Jägerin am Ende ihr Wild gefehlt? Brachte sie nichts für ihren Einzigen, oder vertraute sie auf die Pflege seiner Wächter?