Nein, gewiß nicht! Der wilden Mutter Liebe und Haß waren felsenfest, und ihr einziger Gedanke und Wunsch war, ihren Sohn zu befreien. Alles hatte sie versucht, und jeder Gefahr hatte sie getrotzt, um ihn freizumachen, aber alles war vergeblich gewesen.

Wie ein Schatten war sie gekommen und im Augenblick wieder verschwunden. Tip packte gierig etwas, was sie ihm zugeworfen, und schlang und kaute mit Behagen. Aber noch während er fraß, entfuhr ihm plötzlich ein Schrei voll Schmerz; dann folgte ein kurzer Todeskampf, und Tip war nicht mehr.

Die Mutterliebe in Vixen war stark, aber ihre Überlegung war stärker. Sie kannte des Giftes Gewalt, und als sie am Ende einsah, daß sie für ihr Junges zu wählen hätte, zwischen dem traurigen Leben eines Gefangenen oder dem plötzlichen Tod, unterdrückte sie die Mutter in ihrer Brust und befreite es auf diese einzig mögliche Weise.


Wenn der Schnee den Boden bedeckt, pflegen wir den Waldbestand aufzunehmen, und als der Winter kam, erzählte er mir, daß Vixen nicht mehr in den weiten Forsten jenseits unseres Flusses hauste. Wohin sie gezogen, habe ich nie erfahren, aber so viel war sicher, in unserer Nachbarschaft weilte sie nicht mehr.

Vielleicht war sie nach weit entfernten Jagdgefilden ausgewandert, um der traurigen Erinnerung an ihre gemordeten Lieben zu entfliehen. Oder sie war freiwillig von dem Schauplatz eines traurigen Daseins abgetreten, wie manche wilde Mutter es vor ihr getan, mit Hilfe des gleichen Mittels, mit dem sie ihren Sohn, das letzte ihrer Kinder, befreite.

Rotkrause.

Die Geschichte des Fasanen aus dem Don-Tale.

I.