»Was?« sagte Tom, »bist du verrückt? Ich habe niemals einen besseren Hund gehabt – er geht für die Schafe durchs Feuer.«

»Ja, ja,« meinte Jo, »das hat er letzte Nacht gründlich bewiesen.«

Die Bauern erzählten ihm ausführlich von ihrer Suche am Morgen, doch alles war vergeblich, Tom schwur, daß das ganze eine eifersüchtige Verschwörung sei, ihn seines treuen Hundes zu berauben.

»Wully schläft jede Nacht in der Küche und kommt nicht heraus, bis er die Herde auf die Weide treibt. Es ist alles Unsinn. Das ganze Jahr hindurch ist er bei den Schafen, und nicht einen Huf habe ich verloren.«

Tom ereiferte sich über diese ungeheuerliche Verschwörung gegen Wullys Ruf und Leben. Jo und seine Anhänger wurden schließlich aufgeregt, und es war ein Glück, daß Hulda aus dem Hause trat und sie beruhigte.

»Vater,« sagte sie, als man ihr alles erzählt hatte, »ich will heute nacht in der Küche schlafen. Wenn Wully den Versuch macht, davonzuschleichen, werde ich es bemerken, und wenn er ruhig bei mir bleibt und dennoch Schafe gemordet werden, so haben wir den Beweis von Wullys Unschuld.«

Hulda streckte sich am Abend auf einer Bank in der Küche aus, und Wully schlief wie gewöhnlich unter dem Tisch. Einige Stunden verrannen, und der Hund wurde unruhig, er wälzte sich auf seinem Lager, stand auf, streckte sich, beobachtete Hulda und legte sich wieder nieder. Ungefähr um zwei Uhr schien er einem innern Drängen nicht mehr widerstehen zu können. Er erhob sich leise, schaute nach dem niedrigen Fenster und dann auf das scheinbar schlafende Mädchen. Hulda lag still und atmete ruhig, wie im Schlafe. Wully kam langsam näher und schnaufte ihr direkt ins Gesicht, doch sie rührte sich nicht. Er leckte ihr vorsichtig die Wange und beobachtete dann, seine spitzen Ohren aufrecht und seinen Kopf zur Seite geneigt, ihr unbewegliches Antlitz, aber sie schien ruhig zu schlafen. Da lief der Hund nach dem Fenster, sprang geräuschlos auf den Tisch, schob seine Nase unter den Rahmen und hob das Fenster so hoch, daß er durch die Öffnung hinauskriechen konnte. Darauf ließ er es leise über seinen Rücken und Schwanz herniedergleiten, und seine Gewandtheit dabei verriet eine lange Übung. Dann verschwand er in der Dunkelheit.

Hulda hatte den ganzen Vorgang mit Erstaunen beobachtet, und nachdem sie eine Zeitlang gewartet hatte, um sicher zu sein, daß der Hund nicht mehr in der Nähe wäre, erhob sie sich in der Absicht, ihren Vater zu rufen. Jedoch nach einigem Überlegen beschloß sie weiteres abzuwarten. Sie warf Holz aufs Feuer und legte sich wieder nieder. Über eine Stunde lag sie ganz munter, dem Ticken der alten Wanduhr lauschend und beim geringsten Geräusch zusammenfahrend. Was mochte der Hund jetzt anstellen? Hatte er wirklich der Witwe Schafe gemordet? Die Erinnerung an seine aufopfernde Anhänglichkeit an ihre eigene Herde ließ es ihr unglaublich erscheinen.

Eine zweite Stunde ticktackte langsam vorüber. Da vernahm Hulda plötzlich ein leises Geräusch am Fenster, und ihr Herz klopfte in gespannter Erwartung. Das Fenster öffnete sich, und Wully sprang in die Küche zurück.