Es war Dezember 1893; ich war ein Neuling in der Gegend und zog vom Farmhaus auf den Pinavetitos aus, um zu Wagen den kanadischen Fluß zu erreichen. Kurz vor meiner Abfahrt bemerkte Foster: »Und wenn Sie eine Gelegenheit haben, dem Teufelshengst ein Lot Blei in den glatten Leib zu pusten, zielen Sie gut!«

Dies war das erstemal, daß ich von dem berüchtigten Mustang hörte, und als wir dahinfuhren, erfuhr ich von Burns, meinem Führer, die ganze Vorgeschichte. Ich war im höchsten Grade gespannt, den berühmten Dreijährigen zu sehen, und war nicht wenig enttäuscht, kein Zeichen vom Paßgänger oder seiner Herde zu erblicken, als wir uns am zweiten Tage der Antilopenquelle näherten.

Am folgenden Tage jedoch, nachdem wir den Alamosa-Arroyo gekreuzt hatten und langsam nach der Hochebene hinaufkommen, duckte sich Jack Burns, der vorausritt, plötzlich auf den Nacken seines Pferdes, kehrte sich nach mir um und rief:

»Heraus mit der Büchse, dort ist der Hengst!«

Ich packte mein Gewehr und eilte vorwärts nach einem Aussichtspunkt über die Ebene. Drüben in einer Niederung graste eine Herde von Pferden, und an einem Ende sah ich den großen schwarzen Mustang. Er schien eine Ahnung von unserer Annäherung zu haben und witterte Gefahr. Mit erhobenem Kopfe und weit aufgeblasenen Nüstern stand er dort, ein Bild der Vollkommenheit und Schönheit. Das edelste Tier, das je auf diesen Weiden gegrast hatte und der bloße Gedanke, dieses herrliche Geschöpf zu vernichten, war mir furchtbar. Trotz Jacks wiederholtem Zuruf: »Schnell schießen« zögerte ich, und er, erregt und hastig, verfluchte meine Langsamkeit und griff nach meiner Büchse; wendete dabei die Mündung nach oben, und ganz zufällig ging der Schuß los.

Sofort war die Herde alarmiert, ihr schwarzer Leiter wieherte und kreiste um sie herum, und davon ging es mit klappernden Hufen, in eine dicke Staubwolke eingehüllt.

Jack machte anzügliche Bemerkungen über mich und mein Gewehr, aber ich hatte meine Freude an des Mustangs Kraft und Schönheit, und nicht um den Besitz der ganzen Herde hätte ich ihm etwas zuleide tun können.

III.

Es gibt verschiedene Weisen, einen wilden Mustang einzufangen. Die eine ist bekannt unter dem Fachausdruck »Kitzeln« – d. h. man streift des Tieres Nacken mit einer Gewehrkugel, so daß es für eine Weile betäubt ist; das erfordert jedoch einen außergewöhnlich sicheren Schützen und wird deshalb äußerst selten mit Erfolg angewandt.