Wully beobachtet Hulda
Die Antilopenquelle liegt mitten in einer weiten, grasbewachsenen Ebene. Kein Baum und kein Strauch steht ringsumher. Ist das Wasser hoch, so dehnt es sich aus zu einem kleinen See, umgürtet von einem Kranz dürftigen Schilfes; tritt es zurück, so hinterläßt es ein weites schwarzes Moor, das stellenweise glitzert von weißem Salz und in dem die Quelle in der Mitte als ein Wasserloch erscheint. Sie hat keinen Abfluß, aber dennoch ziemlich klares Wasser und ist für viele Meilen im Umkreis die einzige Tränke.
Diese Ebene war der Lieblingsfutterplatz des schwarzen Hengstes, aber auch die Weide zahlreicher Herden von zahmen Pferden und Rindern, und besonders Fosters, eines unternehmenden Mannes Vieh, das mit einem L und gekreuztem F gezeichnet war, hielt sich dort auf. Foster hatte, um seine Pferde zu veredeln, zehn Halbblutstuten eingeführt, und neben diesen schlanken, zartfüßigen, rehäugigen Wesen nahmen sich die struppigen Ponys aus, wie erbärmliche, verhungerte Glieder einer entarteten Rasse.
Eine dieser Stuten wurde zum Gebrauch im Stall gehalten, während die neun anderen sich auf der Prärie herumtummelten. Pferde haben eine feine Nase, die besten Futterplätze zu finden, und die neun Stuten zogen denn auch zwanzig Meilen nach Süden, nach der Antilopenquelle. Als Foster im Spätsommer die edlen Tiere heimwärts treiben wollte, fand er sie richtig, aber mit ihnen, und sie mit etwas mehr als nur Kameradschaft bewachend, den kohlschwarzen Hengst. Stampfend trabte er um sie herum, wie ein Schäferhund, und sein schwarzes Fell bildete einen lebhaften Gegensatz zu den goldenen Häuten seines Harems.
Die Stuten waren lammfromm, und leicht hätten sie sich heimwärts treiben lassen, doch da trat ein unerwartetes Hindernis ein. Der glänzende Rappe wurde erregt, er schien seinem Gefolge seine eigene Wildheit einzuflößen und trieb die ganze Herde im Galopp dahin, wo es ihm beliebte. Davon flogen sie, und die kleinen Kuhponys, die die Reiter trugen, blieben weit zurück.
Die Verfolger waren wütend und zogen schließlich ihre Revolver, in der Absicht, den Teufelshengst niederzuschießen. Aber da war neun gegen eins zu wetten, daß nicht der Hengst, sondern eine der Stuten fallen würde. Den ganzen langen Tag verfolgten sie die Herde, aber der Paßgänger hielt seine Familie dicht beisammen und verschwand schließlich zwischen den Hügeln im Süden. Die Reiter auf ihren abgejagten Ponys aber mußten rachebrütend ohne die Stuten nach der Farm zurückkehren.
Die Gelehrten sind sich nicht einig über die Ursache der Anziehungskraft, die Schönheit und Tapferkeit auf die Weibchen unter den Tieren auszuüben pflegen, aber es steht fest, daß ein Tier von ungewöhnlichen Gaben bald ein großes Gefolge aus den Harems seiner Nebenbuhler nach sich zieht. Der gewaltige Rappe mit der pechschwarzen Mähne, dem stolzen Schweif und den grün leuchtenden Augen durchzog die ganze Gegend, und sein Gefolge wuchs von Tag zu Tag. Die meisten waren nur einfache Kuhponys, die von der Weide davongelaufen waren, und die neun goldglänzenden Stuten blieben der Stolz seiner Herde. Ein Pferd, das sich einmal in diesem Haufen befand, war verloren, und die Züchter sahen bald ein, daß der Hengst ihnen mehr Schaden brachte, als alle anderen Unfälle und Verluste zusammengenommen.