Im nächsten Jahr kam man bei der Viehzählung wieder in jene Ecke von Neu-Mexiko, und wieder wurden die Mustangs gesehen. Das dunkle Füllen war jetzt zum schwarzen Jährling herangewachsen, mit dünnen, zarten Beinen und glatten Flanken, und mehr als einer von den Hirten sah mit eigenen Augen dieses wunderbare Naturspiel – der Mustang war ein geborener Paßgänger.

Jo war dabei, und der Gedanke kam ihm, daß es wohl der Mühe wert wäre, das Füllen einzufangen. Einem, der im Osten aufgewachsen ist, mag diese Idee nicht so originell und außergewöhnlich erscheinen; aber im Westen, wo ein rohes Pferd zwanzig Mark wert ist und ein gewöhnliches Reitpferd sechzig bis achtzig Mark kostet, kommt einem Hirten schwerlich der Wunsch, einen wilden Mustang als Eigentum zu besitzen. Mustangs sind ungewöhnlich schwer einzufangen, und wenn man sie schließlich doch erwischt, sind sie ungebärdige, wilde Gefangene, nicht zu zähmen, und daher selten brauchbar. Die meisten Besitzer von Viehherden pflegen alle Mustangs, die in ihr Gebiet kommen, abzuschießen, denn sie fressen nicht nur dem Vieh das Futter weg, sondern verwirren auch die Herden der zahmen Pferde, führen sie hinweg und bringen folglich nur Schaden.

Jo Calone kannte die wilden Pferde von den Ohren bis zur Spitze des Schweifes. »Niemals habe ich ein weißes gesehen,« meinte er, »das nicht leicht zu ziehen, noch ein braunes, das nicht nervös war, keinen Fuchs, der unbrauchbar, wenn gut gezogen, und niemals einen Rappen, der nicht hart war, wie Stahl, und den Teufel in sich hatte.«

Wenn nun schon ein gewöhnlicher Mustang ein wertloser Kadaver ist, so ist ein schwarzer zehnmal schlimmer als wertlos. Jos Freunde hielten seine fixe Idee, den Jährling zu fangen, deshalb einfach für Blödsinn; doch er schien entschlossen zu sein, es jedenfalls zu versuchen, wenn sich ihm auch im selben Jahr keine Gelegenheit bot.

Jo war nur ein einfacher Kuhhirt, mit einem kleinen Gehalt. Wie die meisten anderen, hatte er den sehnlichsten Wunsch, einst eine eigene Farm zu besitzen. Sein Brandzeichen, von guten Freunden gewöhnlich der »Schweinekofen« genannt, war dunklen Ursprungs und bereits in Santa Fé im Register eingetragen, obwohl es nur von einer alten Kuh getragen wurde.

Im Herbst, wenn Jo ausgezahlt wurde, konnte er der Versuchung nicht widerstehen, mit seinen Kameraden zur Stadt zu gehen und sich dort zu vergnügen, so lange eben das Geld reichte. Infolgedessen bestand sein ganzes Eigentum aus wenig mehr als aus einem Sattel, seinem Bett und der alten Kuh. Jedoch er baute Luftschlösser wie zuvor, hoffte auf irgendeinen glücklichen Zufall, der es ihm möglich machen sollte, als kleiner Farmer zu beginnen, und als er nun den Paßgänger zum ersten Male gesehen, hegte er die unbestimmte Hoffnung, sein Fang würde ihn sofort zum reichen Manne machen.

Die Hirten zogen hinab zum kanadischen Flusse und im Herbst zurück über den Don-Carlos-Hügel, und Jo sah nichts mehr vom Paßgänger, obwohl er des öfteren von ihm erzählen hörte, denn das Füllen, jetzt ein starkes junges Pferd, fing an, bekannt, ja beinahe berühmt zu werden.