»Wo hast du ihn getroffen?«
»Die Sache war so: ich ritt über die Ebene an der Antilopenquelle und sah in einiger Entfernung einen Klumpen auf dem trockenen Schlamm liegen. Ich wußte, daß ich ihn nie vorher bemerkt hatte, ritt näher und entdeckte, daß es ein Pferd war, das flach ausgestreckt dalag. Der Wind war gegen mich, ich ritt dicht heran und sah, daß es der Paßgänger war, tot wie ein Stück Holz. Jedoch er schien unverletzt und nicht geschwollen, und ich wußte nicht recht, was ich denken sollte, bis ich sah, wie er mit dem Ohr eine Fliege wegjagte. Da wußte ich, daß er schlief. Ich nahm meinen Lasso, wickelte ihn auf, sah aber, daß er alt und stellenweise ziemlich abgerieben war, und mein Sattel hatte nur einen Gurt. So sagte ich zu mir selbst: ›Sei vernünftig, Billy, du zerreißt nur deinen Sattelgurt, stürzest und brichst das Genick.‹ Da gab ich denn dem Sattelhorn einen tüchtigen Schlag, und ich wünschte, ihr hättet den Mustang sehen können. Sechs Fuß hoch sprang er in die Luft und schnaufte wie eine Lokomotive. Die Augen traten ihm heraus, wie der Blitz sauste er davon in der Richtung nach Kalifornien, und wenn er die Gangart, mit der er losging, beibehalten hat, so muß er in dieser Stunde bereits am Ziele sein – aber ich wette was darum, nicht eine Sekunde fiel er aus seinem Paßgang.«
Diese Geschichte wurde nicht ganz so fließend erzählt, wie sie hier wiedergegeben ist. Sie wurde vielmehr unterbrochen durch Zwischenrufe und durch unausgesetztes Kauen und Schlucken, denn Billy war ein gesunder junger Mann ohne jede Schüchternheit.
Jedermann schenkte der Erzählung Glauben, denn Billy war als glaubwürdig bekannt. – Von allen, die dabei saßen, redete Truthahnspur am wenigsten, aber er dachte vermutlich am meisten, denn es war ihm ein neuer Gedanke gekommen.
Während er nach dem Essen gemächlich seine Pfeife rauchte, arbeitete er den Plan aus und kam zu der Einsicht, daß er ihn nicht allein ausführen könnte. Er nahm Hufeisen-Billy beiseite, und der Erfolg der Unterredung war, daß Billy bei dem erneuten Versuch, den Paßgänger zu fangen, sich mit betätigen und von den fünftausend Dollars, die jetzt als Preis ausgesetzt waren, seinen Anteil erhalten sollte.
Die Antilopenquelle war immer noch die Tränke des Paßgängers. Das Wasser stand niedrig und ließ einen breiten Gürtel von schwarzem, trockenem Schlamm zwischen der Weide und der Quelle. An zwei Stellen war der Gürtel unterbrochen von einer leicht erkennbaren Fährte, die die Tiere auf dem Wege zur Tränke getreten hatten.
Wilde Pferde pflegen für gewöhnlich immer den gleichen Pfad zur Quelle einzuhalten, und auf dem am meisten benutzten begannen die beiden Männer mit Hacke und Schaufel eine lange und tiefe Grube zu graben. Zwei Tage nahm diese harte Arbeit in Anspruch, und nachdem sie vollendet war, bedeckten die beiden die Grube sorgfältig mit Stangen, Zweigen und Erde und versteckten sich in einiger Entfernung.
Ungefähr um Mittag kam der Paßgänger, wie immer allein, seit man seine Herde gefangen hatte. Der Pfad auf der entgegengesetzten Seite des Schlammgürtels war wenig benutzt, und Tom hatte einige frische Zweige darüber geworfen, um sicher zu gehen, daß der Hengst von der anderen Seite kommen sollte.
Doch der Engel, der über den freien Wald- und Feldbewohnern wacht und sie vor Unheil warnt, schläft nicht.