Jetzt begann der wildeste und anstrengendste Teil des Rennens. Jo, grausam und unerbittlich gegen den Mustang, war noch mitleidloser gegen sein Roß und gegen sich selbst. Die Sonne brannte glühend heiß. Über der ausgedorrten Ebene flimmerte die heiße, drückende Luft, die von keinem Hauch bewegt wurde. Augen und Lippen waren verbrannt von Sand und Salz, aber das verzweifelte Rennen nahm seinen Fortgang. Die einzige Aussicht zu gewinnen war für Jo, wenn er den Mustang zurück nach dem Arroyo treiben konnte. Seit dem Beginn der Jagd konnte er an dem Schwarzen jetzt zum ersten Male Anzeichen von Müdigkeit und Schwäche bemerken. Mähne und Schweif waren gesenkt, und die halbe Meile Entfernung zwischen Jo und ihm war auf die Hälfte herabgesunken. Aber noch ging es vorwärts, im Trabe, immer im Trabe. Stunde auf Stunde verrann, und die Nacht zog herauf, als sie die Arroyo-Furt erreichten. Jo hatte gehofft, der schaumbedeckte Hengst würde trinken, aber er war zu klug dazu. Er steckte nur die Nase ins Wasser, platschte durch die Flut und trabte vorwärts mit dem Verfolger hinter sich. Dann verschwanden sie in der Dunkelheit.
Am Morgen kam Jo nach dem Lager zurück – zu Fuß. Er hatte nicht viel zu berichten: Acht Pferde gestürzt, fünf Mann zu Tode ermattet und der Paßgänger in Sicherheit und frei.
»Für Menschen ist er unerreichbar, und es tut mir nur leid, daß ich ihm nicht eine Kugel in die Teufelsknochen gejagt habe,« sagte Jo und gab die Jagd auf.
VI.
Truthahnspur war auch auf dieser Expedition Koch. Er hatte die Hetze mit mehr Teilnahme beobachtet, als irgendein anderer, und als sie mißlang, schmunzelte er in seinen Topf und sagte: »Dieser Mustang ist mein, oder Thomas Bates ist ein großer Dummkopf!«
Die unausgesetzte Verfolgung hatte den Paßgänger wilder gemacht als zuvor, aber sie hatte ihn dennoch nicht von der Antilopenquelle weggetrieben. Es war die einzige Tränke, die einem Feinde auch nicht das kleinste Versteck bot, und hierher kam er jeden Tag um die Mittagszeit und näherte sich, nachdem er vorsichtig umhergespäht hatte, um zu trinken.
Seit der Gefangennahme seines Harems hatte der schwarze Hengst ein einsames Dasein geführt, und auf diese Tatsache gründete Truthahnspur einen neuen Plan. Des alten Kochs Freund hatte eine kleine, hübsche braune Stute, und mit deren Hilfe hoffte er sein Ziel zu erreichen. Er nahm ein paar der stärksten Fußfesseln, einen Spaten, einen kräftigen Lasso und einen dicken Pfahl, bestieg die Stute und ritt nach der bekannten Quelle.
Ein paar schnellfüßige Antilopen sprangen vor ihm über die Ebene; das Vieh lag in Gruppen umher, und der laute, süße Gesang der Feldlerche erscholl aus der blauen Luft, denn der Winter war davongezogen und hatte dem Frühling Platz gemacht. Das Gras grünte, und die ganze Natur trieb und sproßte.