Tom prüfte den Wind und untersuchte die Gegend. Die Grube, die er einst gegraben hatte, war mit Wasser angefüllt, obenauf schwammen ein paar tote Feldmäuse, und daneben war der neue Pfad, den die Tiere jetzt zur Quelle nehmen mußten. Truthahnspur begann seine Vorbereitungen. Zuerst versenkte er den Pfosten fest in den Erdboden, grub dann ein Loch, tief genug, um sich darin verstecken zu können, und breitete seine Decke darin aus. Die kleine Stute band er kurz an, so daß sie sich kaum bewegen konnte, legte den offenen Lasso dahinter auf den Erdboden, befestigte dessen langes Ende am Pfosten und bedeckte die Leine mit Erde und Gras. Darauf kroch er in sein Versteck.

Ungefähr um die Mittagsstunde wurde das sehnsüchtige Wiehern der Stute weit in der Ferne beantwortet, und der berühmte Mustang tauchte als schwarzer Schattenriß im Westen auf.

Langsam trabte er näher, aber argwöhnisch gemacht durch die hartnäckige Verfolgung, hielt er öfter an, sah sich vorsichtig um, wieherte und erhielt eine Antwort, die sein männliches Herz erzittern ließ. Wieder kam er näher, trabte im weiten Bogen um die Stelle und schien im Zweifel. Sein Schutzengel flüsterte: »Geh nicht weiter!«, aber die braune Stute rief wieder. Seine Kreise wurden enger, er wieherte noch einmal und erhielt wieder eine Antwort, die ihn alle Vorsicht vergessen ließ.

Noch ein paar Schritte, und er hielt vor der Stute, berührte liebkosend ihre Nase und machte einige Freudensprünge um sie herum. Dabei standen seine Hinterhufe einen Augenblick inmitten der tückischen Schlinge. Ein kurzer, scharfer Ruck, die Schleife schloß sich und – er war gefangen.

Ein entsetzliches Stöhnen entrang sich seiner mächtigen Brust, und ein Satz in die Luft gab Tom Gelegenheit, auch um die Vorderfüße eine Wurfleine zu schleudern, die Schlinge zog sich zu und band schlangengleich die gewaltigen Hufe.

Schreck und Entsetzen liehen dem Mustang für einen Augenblick doppelte Kraft, aber das Ende des Lassos war erreicht, und er stürzte zu Boden, ein hoffnungsloser Gefangener. Toms kleine, häßliche, verwachsene Gestalt sprang aus dem Versteck hervor, um die Unterwerfung zu vollenden. Die strotzende, urwüchsige Kraft dieses herrlichen Wesens hatte sich als nichts erwiesen gegen die Schlauheit eines kleinen, alten Mannes.

Tom stand vor seinem Opfer, beobachtete es, und ein fremdartiges Gefühl kam über den alten Hirten. Er zitterte aufgeregt am ganzen Körper, wie er es nicht getan seit dem Tage, als er seinen ersten Stier fing, und eine Weile konnte er nichts tun, als seinen zitternden Gefangenen anzustarren. Aber bald hatte er das Gefühl überwunden. Er sattelte die Stute, schlang dem Hengst eine Leine um den Hals und befestigte die Fußfesseln. Schnell war alles geschehen, und Tom war schon dabei, die Reise anzutreten, als ihn ein plötzlicher Gedanke halten ließ. Etwas ungemein Wichtiges hatte er vergessen. Nach dem Gesetz des Westens war der Mustang Eigentum des Mannes, der ihm als erster sein Brandzeichen aufdrückte, und wie war dies ohne ein Brandzeichen auszuführen?