Tom ging nach der Stute hinüber, hob ihr abwechselnd die Hufe und untersuchte die Eisen. Richtig, das eine war etwas locker. Er zerrte und riß, half mit dem Spaten nach und bekam es los. Dürres Schilf gab es eine Menge, und ein Feuer war schnell angezündet. Bald war eine Hälfte des Hufeisens rotglühend, und Tom drückte mit roher Hand auf die linke Schulter des Mustangs eine Truthahnspur, sein Brandzeichen, tatsächlich das erstemal, daß es angewendet wurde. Der Paßgänger erbebte, als das glühende Eisen zischend in sein glänzendes Fell drang, aber es war bald geschehen, und das edle Tier war schimpflich gebrandmarkt für immer.
Das einzige, was noch zu tun übrigblieb, war, ihn heimzubringen. Die Leinen wurden etwas gelöst. Der Mustang fühlte sich frei und sprang auf die Füße, stürzte aber sofort wieder nieder, als er auszuschreiten versuchte. Die Vorderfüße blieben gefesselt. Die einzig mögliche Gangart war ein schleppender Schritt oder ein verzweifeltes Bäumen, und jedesmal, wenn er versuchte, davonzurennen, stürzte er hilflos zu Boden. Tom auf seinem leichten Pony trieb den schäumenden, wilden Gefangenen vor sich her in der Richtung nordwärts, nach den Pinavetitos zu. Es war ein langer, grausamer Kampf. Wutschnaubend versuchte der Hengst, mit unsinnigen Sätzen zu entfliehen. Seine glänzenden Flanken dick mit Schaum bedeckt und der Schaum gerötet von Blut. Jedoch sein Meister, kühl und unbarmherzig, zwang ihn vorwärts. Die Senkung ins Tal hinab waren sie gezogen, jeder Schritt ein Kampf, und nun standen sie vor der einzigen Stelle, wo sie das Tal kreuzen konnten, der nördlichsten Grenze der angestammten Gefilde des Paßgängers.
Das erste Farmhaus war in Sicht. Tom atmete erleichtert auf, aber der Mustang sammelte seine letzte Kraft und nahm einen verzweifelten Anlauf. Aufwärts, immer aufwärts sprang er, ungeachtet der schleppenden Leine und der Schüsse, die Tom in die Luft feuerte, um seine Richtung zu ändern. Aufwärts, immer aufwärts, auf die steile Klippe sprang er, machte einen wahnsinnigen Satz ins Leere, stürzte hinab – zweihundert Fuß in die Tiefe – und schlug auf die schroffen Felsen auf – zerschmettert – aber frei! –
Nachwort an den Leser.
Diese Erzählungen sind wahr. – Obwohl ich die geschichtliche Wahrheit an manchen Stellen umgangen habe: die Tiere in diesem Buch haben alle wirklich gelebt. Ihr Leben floß dahin, wie ich es geschildert habe, und sie bewiesen Persönlichkeit und Heldengröße weit nachdrücklicher, als es meine schwache Feder wiederzugeben imstande war.
Ich glaube, daß die Naturwissenschaft durch die allgemeine Behandlung, wie sie gewöhnlich üblich, viel verloren hat. Eine zehn Seiten lange Abhandlung über die Gewohnheiten und das Leben der Menschen gewährt wenig Befriedigung; es ist viel wertvoller, diesen Raum dem Leben eines großen Mannes zu widmen. Unter dem Einfluß dieses Grundsatzes sind die folgenden Geschichten entstanden. Ich habe die Persönlichkeit des Einzelwesens und seine Lebensanschauungen den einfachen Erzählungen zugrunde gelegt und nicht die Gewohnheiten einer Familie im allgemeinen, gesehen durch das abwägende, feindselige Auge des Menschen.
Man könnte mir vorwerfen, ich hätte diesen Grundsatz nicht durchgeführt, da ich oft verschiedene Charaktere in einen vereinigt habe. Dies machte sich jedoch infolge der oft mangelhaften Berichte über sie nötig. Trotzdem bin ich in den Lebensgeschichten Lobos, Bingos und des Paßgängers auch nicht einen Zoll von der Wahrheit abgewichen.
Lobo führte sein wildes, romantisches Räuberleben, dessen sich die Ansiedler noch gut erinnern, von 1889 bis 1894 am Currumpaw, und endete, genau wie berichtet, am 31. Januar 1894.
Bingo war mein Hund von 1882 bis 1888, trotz längerer Unterbrechungen unseres Zusammenlebens durch größere Reisen. Und mein alter Freund, der Besitzer von Tan, wird aus diesem Buche erfahren, wer tatsächlich der Mörder seines treuen Hundes war.