Die zweite Spezifikation scheidet die Leute nach der Art der Arbeit. Sie zeigt, daß bei so ganz heterogenen Arbeiten, wie sie in unserem Betriebe vorkommen, von ganz subtilen Arbeiten der Feinmechanik und Optik bis zur handwerksmäßigen Tätigkeit etwa der Tischler, Dreher und Fräser, ähnlich den Arbeiten in Gewehrfabriken usw. — daß trotz dieser großen Verschiedenheit der technischen Arbeiten keine merklichen Differenzen vorkommen, vielleicht 2-4%. Das sind kleine Ziffern, bei denen aber immer zu berücksichtigen ist, daß sie der Durchschnitt aus einer relativ kleinen Anzahl von Personen sind.

Das einzige, was man ersehen kann, ist, daß die höheren Ziffern vorwiegend die Arbeiten treffen, die gröberer Art sind; die Gruppen 4, 7 und 11, die zum größten Teil Maschinenarbeiter sind, zeigen die höchste Steigerung. Im Durchschnitt liegt die geringste Zunahme bei den Feinarbeitern der Optik und Mechanik. Es ist nur eine einzige Gruppe von 20 Personen, also nicht ganz der zehnte Teil der Vergleichspersonen, in welcher diese Durchschnittsleistung, die Steigerung von 100:112,5 nicht erreicht ist. Diese ist, während das Mittel um 3-3/10% überschritten wurde, um ungefähr 3% zurückgeblieben. Es ist wahrscheinlich, daß das nicht zufällig ist, und daß hier wirklich mit der Verkürzung der Arbeitszeit das Optimum überschritten gewesen ist. Was wir in bezug auf diese Ausnahme zu sagen haben, ist: die Ausnahme bestätigt die Regel; doch will ich das nicht weiter ausführen.

Welche Bedeutung ist nun schließlich dem Umstand beizulegen, daß die Endziffer eine Steigerung des Tagewerks um 3-3/10 Proz. ergibt. Man wird auf den ersten Blick geneigt sein, zu sagen, mit 1/30 ist nicht viel zu argumentieren, das liegt doch sozusagen innerhalb der Grenzen der Zufallsschwankung. Wie leicht kann die Arbeitsleistung eines Mannes um 10 Proz. variieren, wenn er sich in schlechter Lage befindet, wenn er Familiensorgen hat, wenn irgendwelche Umstände einen Druck auf seine Arbeitsleistung legen.

Das ist ganz richtig für den einzelnen Mann. Seit Laplace weiß man aber, daß alle derartigen Schwankungen, die leicht in dem einen oder anderen Sinne wirken können, um so vollständiger sich eliminieren, je größer die Zahl der einzelnen Personen wird, und vermindert werden in diesem Mittel nach dem Verhältnis der Quadratwurzel aus der Zahl der einzelnen Fälle; die Quadratwurzel aus 233 ist nun etwa 15. Alle solche Schwankungen müssen bei 233 Beobachtungsfällen, wenn sie bei einzelnen selbst 20 Proz. erreichen können, im Mittel auf den fünfzehnten Teil reduziert sein.

Eine Abweichung des Mittels um 3,3 Proz. gleicht in dem Verhältnis des einzelnen einer Abweichung um 50 Proz., und es ist doch absolut ausgeschlossen, daß aus solchen Ursachen, die in dem einen Jahr jemand einmal treffen können, die Leistungsfähigkeit eines Mannes von einem zum anderen Jahr um 50 Proz. schwanken könne, wenn auch Schwankungen von 10-20 Proz. möglich sind.

Und so kann ich, ohne daß ich die Ziffern genau nachgerechnet habe[39], mit einer Wahrscheinlichkeit von vielen Tausenden gegen Eins behaupten, daß diese 3,3 Proz. nicht vom Zufall herrühren, sondern von Ursachen, die das ganze Jahr fortgewirkt, die alle 233 Personen gleichmäßig berührt haben, oder wenigstens den größten Teil in ein und demselben Sinne.

Ich habe mir nun sehr den Kopf darüber zerbrochen, was für Ursachen dieser Art können mitgewirkt haben?

Eine ist von vornherein ausgeschlossen, nämlich eine Verschiedenheit im Geschäftsgang der beiden Jahre; in der Inanspruchnahme der Werkstätte ist kein Unterschied gewesen. [Das ist von Bedeutung.] Denn sobald auf die Arbeit nicht gewartet wird, hat das Einfluß, weil die Leute wissen, es kann nicht alles, was sie machen könnten, gebraucht werden und umgekehrt. In diesem Punkte sind die beiden Jahre so übereinstimmend gewesen, wie irgend möglich: es ist in beiden Jahren auf die Arbeit gewartet worden; jeder hat gewußt, soviel er machen kann, das wird gebraucht; und die kleinen Stockungen, die in großen Betrieben immer unvermeidlich sind — daß einmal eine Abteilung im Rückstande ist und eine andere warten muß — sind in beiden Jahren vorgekommen. Ich bin zuletzt darauf gekommen, ob nicht das Wetter in beiden Jahren verschieden gewesen ist, weil es einen großen Unterschied macht, ob wir einen kalten Winter oder heißen Sommer haben, oder nicht, denn die Temperaturextreme lähmen die Arbeit sehr. Aber die meteorologischen Tabellen zeigen, daß die beiden Jahre auch in bezug auf das Wetter übereinstimmen.

Es bleibt mir nichts weiter übrig als zu sagen, das, was diese Abweichung von 1/30 des Tagesertrages herbeigeführt hat, ist eben die Änderung der Arbeitszeit und was mit ihr konnex ist. Ich glaube, daß wir in unserem Falle das mit Bestimmtheit sagen können, was in früheren Fällen gelegentlich [als Vermutung] ausgesprochen ist, daß die Verkürzung der Arbeitszeit nicht nur keine Minderung, sondern daß sie sogar eine Steigerung des Arbeitsresultats herbeiführen kann — so paradox das klingen mag.

Dieser bis jetzt beschriebene Nachweis betrifft ausschließlich solche Leute, die im Stücklohn gearbeitet haben, für die im vornherein das eigne Interesse als wirksam anzusehen ist, welches sie veranlaßt, möglichst die Verkürzung der Arbeitszeit auszugleichen, um keinen Verdienstausfall zu haben. Es ist von Wert, daß wir noch eine zweite Probe haben, die wir der Aufmerksamkeit verdanken, in der der Maschinenmeister der Firma Carl Zeiss, Herr Bruno Klemm, seines Amtes waltet, daß wir die Möglichkeit gewonnen haben, die Änderung des Nutzeffektes unserer sämtlichen Arbeitsmaschinen, die infolge der Verkürzung der Arbeitszeit eingetreten ist, ziffernmäßig feststellen zu können.