Die Steigerung scheint nun, da sie im Durchschnitt das Verhältnis 100:112 ergibt, annähernd der Ausgleichung des Zeitausfalls zu entsprechen. Bei genauem Besehen zeigt sich jedoch, daß diese Ziffer für alle diejenigen Maschinen, deren der Arbeiter sich wirklich bedient, eine viel höhere Steigerung bedeutet. Es sind nämlich eine Anzahl der Maschinen automatische; der Arbeiter kann vielleicht dadurch mehr leisten, daß er sie aufmerksamer beobachtet, daß er den Prozeß, den sie ausführen, achtsamer beaufsichtigt. Diese Steigerung rührt daher in Wahrheit nur von einem Teile der Maschinen her, der andere Teil ist unwirksam dabei gewesen. Und wenn man nun annimmt, daß auch nur ein Viertel von diesen 650 Maschinen derart gewesen wäre, daß der Arbeiter an ihnen nichts oder nur wenig mehr machen kann, so sieht man sofort, daß bei drei Viertel aller Maschinen eine Intensitätssteigerung von 100:116 herzuleiten ist.
Ich schließe aus diesen Erwägungen, daß auch diese Ziffern beweisen, wir haben die Verkürzung der Arbeitszeit auch bei der Maschinenarbeit nicht nur ausgeglichen, sondern tatsächlich die Arbeitsleistung höher gebracht.
Sehr bemerkenswert ist ein Blick auf die Ziffern von Arbeitswoche zu Arbeitswoche. Die erste Woche zeigt eine ganz plötzliche Steigerung von 49,2 im Mittel auf 53,7; der Brutto-Stromverbrauch springt plötzlich um 4,5 Kilowatt, in der zweiten Woche ist ein starker Rückgang, in der dritten Woche erholt sich das wieder und in der vierten Woche ergibt sich das Mittel. Es wird noch viel auffälliger, wenn man die einzelnen Tage vergleicht. Die Ziffer für die erste halbe Woche zeigt eine Steigerung von 49,2 auf 55,7 Kilowattstunden, um beinahe 15 Proz. des früheren Stromverbrauches, und im Verhältnis von 100:124; die nächsten Tage geht es zurück. Als ich diese Ziffer zuerst sah, bin ich erschrocken bei dem Gedanken, was wäre passiert, wenn wir erst ein Jahr später die Verkürzung der Arbeitszeit eingeführt hätten, dann wäre uns[40] am ersten Tage der Drehstromdynamo entzwei gebrannt, also eine ganz schwere Betriebsstörung eingetreten, und niemand hätte erraten können, woher das rührt.
Ich rate keinem, unter ähnlichen Umständen bei starkem Betriebe, wenn seine Motoren überlastet sind, eine Verkürzung der Arbeitszeit einzuführen, sonst kann es ihm passieren, daß sie in die Luft fliegen. Man sieht, die Leute mit Maschinenarbeit haben einen ganz kolossalen Anlauf genommen, haben sich und ihre Maschinen auf das unglaublichste strapaziert, sie haben eine große Mehrsteigerung über die Durchschnittszahl hinaus herbeigeführt. Aber das haben sie nicht lange aushalten können, denn in der zweiten Woche ist ein starker Rückgang eingetreten, und erst in der dritten und vierten Woche hat sich das wieder erholt und die Arbeit ist gleichmäßig geworden.
Man wird sagen, neue Besen kehren gut; aber ich habe dem hinzuzufügen, der neue Besen hat nur in der ersten Woche gut gekehrt, in der zweiten schlecht, und erst in der dritten und vierten Woche, als es kein neuer Besen mehr war, kehrte er wieder normal.
Ich ziehe aus dieser Beobachtungsreihe den Schluß, daß der Abfall in der zweiten Woche die Reaktion des ungebührlich starken Anlaufs gewesen ist, daß die Leute mit außerordentlichem Eifer versucht haben, ja keinen Arbeitsausfall eintreten zu lassen.
Die andere Frage: wie steht es denn mit der Wirkung der zweifellos vorhandenen Steigerung der Intensität auf die Person — hat sie eine Mehrstrapaze herbeigeführt oder nicht — ist ganz konnex mit derjenigen, welche Triebfedern nötig gewesen sind, diese Steigerung herbeizuführen, ob bewußter Wille, ob das Sichantreiben, oder was sonst.
Die Antwort auf diese Frage läßt sich natürlich nicht ziffernmäßig geben. Eine Wirkung der Überanstrengung könnte ja erst nach vielen Jahren objektiv in die Erscheinung treten. Immerhin ist es möglich gewesen, auf Grund der subjektiven Wahrnehmung vieler Personen mit Sicherheit festzustellen, daß eine besondere Anstrengung, abgesehen von den ersten Tagen, nicht stattgefunden hat, daß vielmehr die Akkommodation an ein rascheres Tempo der Arbeit, die tatsächlich stattgefunden haben muß, bei Akkord- und Zeitlohnarbeitern sich nach ganz kurzer Zeit gewohnheitsmäßig vollzogen hat.
Die Leute haben sich, wie mir ganz bestimmt gesagt worden ist, nach ganz kurzer Zeit gewöhnt, etwas rascher zu arbeiten, und sich gar nicht mehr anzutreiben brauchen, und viele sind wirklich, wie man zu sagen pflegt, fleißiger geworden. Vielen ist das so unbewußt geworden, daß sie mir bestritten haben, daß sie mehr gearbeitet hätten und ich es ihnen erst beweisen mußte.