Dieser Roman, der eine bunte Folge wunderlicher Ereignisse und phantastisch beleuchtender Figuren vor uns abrollt, ist ein Kulturdokument von originellem Reiz. Das alte Prag mit der barocken Romantik seiner Fassaden steigt darin auf, das seinen Mystizismus auch in der veränderten Landschaft moderner Straßen und Plätze und in der einförmigen Physiognomie der Vorstädte bewahrt. Die bewegliche Mischung deutscher, indischer und slavischer Elemente findet sich hier unter einem gemeinsamen Firnis zu einem Gärungsstoffe zusammen, der absonderlichen Prozessen unterworfen ist. Es ist eine merkwürdige Gesellschaft, in die uns der Dichter einführt. Entwurzelte, die sich vom Leben treiben lassen. Philosophen, die es mit einem Lächeln abtun. Abenteurer, die aus Passion auf den Seelenfang ausgehen, sentimentale Zyniker mit dem Habitus der Hasardspieler. Und mitten unter diesen Männern und Weibern die rührende Gestalt Zdenkas, des Tschechenmädchens, die neben dem kupplerischen Schatten böser Dinge mit reinem Herzen in hilfloser Demut steht. „Severins Gang in die Finsternis“ ist auch der Roman ihrer Liebe. Diese Liebe, mit Süßigkeit und Tränen beschwert, geht über alle irdischen Grenzen hinaus und gibt dem Buche Leppins einen wunderbaren, ekstatisch vergoldeten Hintergrund.
Delphin-Verlag / München
Sammlung abenteuerlicher Geschichten Bd. 2:
A. M. Frey
Dunkle Gänge
Zwölf Geschichten aus Nacht und Schatten
Mit Umschlagzeichnung von L. Durm
Geheftet 2 M. 50 Pf. In Halbleinenband 3 M. 50 Pf.
Paul Zech im „Berliner Tageblatt“: „Zu den wenigen jüngeren Schriftstellern, die das Erbe Edgar Poes mit dem richtigen Instinkt aufnahmen und damit wucherten, gehört A. M. Frey. Er stellt sich mit seinem Erstling gleich in die vorderste Reihe der Erzähler dieser exponierten Gattung von Belletristik. Er holt seine Stoffe nicht aus unkontrollierbaren Bezirken. Der Alltag, der in seiner bunten Vielgestaltigkeit auch diese Abseitigkeit trägt, ist für Frey eine unerschöpfliche Fundgrube. Man wird in unerklärliche Situationen befördert, ohne die Fahrt zu spüren. Man ist plötzlich in einem unentrinnbaren Labyrinth und wie von Polypenarmen umstrickt. Fast jede der zwölf Geschichten bohrt ein Extrem an, das die festen Enden der Nerven berührt und aufpeitscht zu unerhörten Sensationen, das Märchenhafte ins Grausige, Exzentrische, phantastisch Verstiegene und übermenschlich Visionäre umwandelt. Man wird das Buch nicht mit einem einmaligen Lesen abgetan haben. Es kribbelt in den Nerven weiter und setzt Blutkreise in Bewegung, die in der Schalheit vieler Stofflichkeiten, die den Augenblick bewegen, nur selten zirkulieren.“