Am Nachmittag, in der sechsten Stunde, nachdem der Arzt ihm erklärt hatte, daß alle Bemühungen fruchtlos seien, schlich der Graf – schwerer beklommen als in dem Augenblick, da er selber das Unglück erfahren hatte – zu Gräfin Adele ans Krankenlager.

Somsdorff war ihm zitternd gefolgt, um vor der Thüre Posto zu fassen, als könne er so dem angebeteten Weib da drinnen, das jetzt den furchtbarsten Schmerz ihres Lebens erfahren sollte, Hilfe und Linderung gewähren.

Eine Zeit lang war alles still. Dann tönte die Stimme des Grafen wie dumpfes Gemurmel, abgerissen, beängstigend. Und mit einemmal scholl ein markerschütternder Aufschrei durch das Gemach, ein greller, schaudervoller Naturlaut, dem ein tödliches Schweigen folgte.

Nach zwei Minuten trat der Graf auf den Korridor.

»Somsdorff! Gut, daß Sie da sind! Den Arzt! Holen Sie schnell den Arzt! Er kann noch nicht fort sein! Da, nun hör' ich den Wagen!«

Wie ein Pfeil sauste Leo die Treppe hinunter. Der Landauer war noch in Hörweite.

Sofort machte der Kutscher Kehrt. Doktor Michalsky stieg wieder aus und verfügte sich kopfschüttelnd zu der Ohnmächtigen.

Als er nach zwanzig Minuten aus dem Gemach trat, schien er bedenklich.

»Eine nervöse Krisis,« sprach er zu Somsdorff, der ihn erwartet hatte. »Augenscheinlich kommt so mancherlei hier zusammen. Ich begreife übrigens nicht, was den Herrn Grafen bestimmen konnte, mich beinahe schon wegfahren zu lassen, ohne mir eine Silbe zu sagen! Etwas Migräne, hieß es.«

»Die Frau Gräfin hat das so angeordnet …«