»Nun also, was glaubst Du?« fragte die Freundin im Tone einer distinguirten Theilnahme.
»Ich glaube … Doch zuvor muß ich über einen wichtigen Punkt Deine Ansicht hören. Für was hältst Du den Herrn, der uns vorhin mit seinem Besuche überraschte?«
»Nun, ich dächte, darüber könnte kein Zweifel obwalten.«
»Nicht wahr, es liegt klar zu Tage? O, mein ahnendes Herz hat mich nicht betrogen! Die edle Stirne, der freie, offene und dabei doch so süß schwärmerische Blick, der Klang seiner Stimme … Virginie! Eine solche Stimme kann nur von den Lippen eines Dichters zittern!«
»Meinst Du?« versetzte Virginie zurückhaltend.
»Ich bin davon durchdrungen, so tief, so unabweisbar, wie von den Wahrheiten des Evangeliums. Hast Du nicht bemerkt, daß er oft gen oben blickte?«
»Nicht daß ich wüßte!«
»Aber ich habe es gesehen, und ich habe diese begeisterten Blicke verstanden! Wenn er das schöne geheimnißvolle Auge wieder senkte, so traf es mich … Ach Virginie … Ich zuckte zusammen vor diesem Flammenauge!«