»Der Professor ist da!« klang es von den Lippen der Jungfrauen. Bald darauf versammelte man sich im Unterrichtszimmer, um Doktor Flexberger's Vorlesungen über deutsche Literatur zu genießen. Doktor Flexberger war, wie wir zur Beruhigung des ahnungsvollen Lesers in Parenthese bemerken, ein dürres, wackliges Männchen von sechzig Jahren, also in jeder Beziehung ungefährlich. Wie hätte auch sonst der schöne Unbekannte so plötzlich und universell zünden können?
Die Frist bis zur Rückkehr der Vorsteherin verfloß den aufgeregten Mädchen nur sehr zögernd.
Laurentia verfaßte in der englischen Stunde – Miß Jobbington hatte sich inzwischen wieder erholt – ein Liebeslied im Style Robert Burns', mit dem Refrain:
»My darling, oh, my dear!«
Virginie zeichnete auf ihre Schreibmappe eine Grafenkrone über die andere und skizzirte alle erdenklichen Wappen.
Iduna verfertigte aus geknetetem Brote einen Degen von zwei Zoll Länge und bediente sich seiner als Buchzeichen.
Martha bemühte sich, ein paar griechische Lettern in möglichster Vollkommenheit nachzumalen.
Asta schnitt ein großes »Er!« in den Tisch und umzirkelte die bedeutungsvolle Silbe mit einem flammenden Herzen.