Ein Jüngling namens Fresenius ließ sich also vernehmen:
O Karzer, stiller Raum,
Du meiner Sehnsucht Traum,
Du Wiege meiner Leiden,
Um sieben müssen wir scheiden.
E. P. aus L. schrieb das Nachstehende:
Wie, schnöder Quaddler, Du weigerst Dich, zu öffnen, wenn ich klingele? Wahrlich, ich klingele nicht aus Übermut, sondern aus Not … Nun, ich spreche mit einer leichten Variation des Horaz:
Aquam memento rebus in arduis servare.
Das waren so die pikantesten und witzigsten Scherze dieser Wandliteratur. Andere Aufzeichnungen entbehren der Pointe, wie z. B. die echt sekundanerhafte Lobrede auf des Pedells liebreizendes Töchterlein:
Anny Quaddler est virgo venustissima, dulcissima, placentissima. Basia ei dare velim quam plurima. Pedes habet elegantissimos, genua rotundissima et cetera.
Natürlich fehlten auch die gröberen Lästerungen, Zynismen und Cochonnerien nicht. Es hat von jeher eine stark verbreitete Sorte von Schülern gegeben, die den Mangel an Esprit und Humor durch einen scharf ausgeprägten Kultus der Zwei- und Eindeutigkeiten zu ersetzen suchen, geistlose Zotenjäger, die in jedem Kleiderhaken einen Phallus erblicken, ohne imstande zu sein, ihre Sottise in ein erträgliches Epigramm zu kleiden. Auch diese Dunkelmänner hatten reichlich zur Beklecksung der Karzerwände beigetragen; aber es fehlte ihren Skripturen auch jene bescheidene Dosis von Salz, die man einem christlich-germanischen Sekundaner zumuten darf.
Ich wurde aus meinen Betrachtungen durch Knebels Geklingel jählings emporgeschreckt. Drei Minuten später ertönten auf dem Korridor wieder die Schritte Quaddlers. Knebel begann ein entsetzliches Ächzen und Stöhnen.