Da kommt ein zierliches Dienstmädchen …

Das ist das Lieschen von Wilhelm Rumpfs angeheiratetem Onkel. Wunderbar, wie hier vom Rahmen des Karzerfensters aus alles an Interesse gewinnt! Freilich, der Platz da unten liegt am Ende der Stadt, und die Menschen, die vorüber wandeln, sind zu zählen.

»Ah, ich weiß, was sie will«, sagt Rumpf mit verständnisinnigem Lächeln. »Der Onkel schickt sie zum Registrator Bieler, um für heute abend den Whistkranz abzubestellen. Die Tante ist unwohl. Weißt Du, carissime, die verrät uns nicht.«

Und mit verwegener Donnerstimme ruft er:

»Lieschen! Lieschen!«

Sie dreht sich um. Wilhelm Rumpf aus Gamsweiler möchte sich totlachen.

»Nimm Dich in acht«, warne ich im Ton einer Cassandra. »Der Quaddler hat Ohren wie ein Luchs. Auch muß Fräulein Anny jeden Augenblick aus der Kirche kommen.«

»Ah was! Bis der hier herauf tappt, sind wir längst wieder drunten – Lieschen!«

Dasselbe Spiel wiederholt sich. Endlich beim dritten Male sieht das Mädchen herauf. Wie vom Donner gerührt, bleibt sie stehen.

»Fort, fort!« winkt der Tollkühne, und Lieschen begreift. Noch mehrmals zurückblickend, wandelt sie ihrer Wege.